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„Die Bürgerinnen und Bürger sollen spüren, dass sich was ändert“, betonte Jens Spahn in seiner ersten Regierungserklärung als Bundesminister für Gesundheit am 23. März 2018 im Deutschen Bundestag.  Heilmittelerbringer wie beispielsweise Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister und Podologen sorgen mit ihrer Arbeit genau dafür – sie erhalten Arbeitsfähigkeit, vermeiden Pflege und verbessern täglich die Lebensqualität von Millionen von Menschen in Deutschland.

Doch die wohnortnahe Versorgung mit Heilmitteln ist aufgrund von rasant zunehmendem Fachkräftemangel schon heute teilweise gefährdet. Wartezeiten für Behandlungstermine oder fehlende Kapazitäten für dringend erforderliche Hausbesuche sind in der therapeutischen Patientenversorgung bereits die Regel. Diese Situation wird sich weiter verschärfen, das zeigen beispielsweise die aktuellen vdek-Gesundheitsdaten 2017/2018: Erstmals ist die Zahl der niedergelassenen Heilmittelerbringer in Deutschland um 0,7 Prozent auf 76.395 gesunken.

„Wir nehmen den Minister beim Wort und setzen auf eine schnelle Umsetzung erforderlicher Verbesserungen für uns Heilmittelerbringer“, erklärt Andrea Rädlein, stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV).

Bereits Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat in ihrer Regierungserklärung angekündigt, eine zentrale Forderung des SHV umzusetzen: Die Ausbildung soll für alle Gesundheitsberufe kostenfrei werden. Die Kanzlerin geht sogar noch einen Schritt weiter und kündigt eine Ausbildungsvergütung für diese Berufe an. Um die therapeutische Patientenversorgung auch in Zukunft sicherzustellen reicht das aber nicht aus. Schon heute fehlen Mitarbeiter in den Therapiepraxen, um den Therapiebedarf zeitnah und dauerhaft zu decken. Die vielen offenen Stellen bleiben immer länger unbesetzt (aktuell durchschnittlich 151 Tage!). Ein Grund dafür ist, dass beispielsweise immer mehr Therapeuten aufgrund des geringen Einkommens, der stetig steigenden Arbeitsbelastung und fehlender Karrieremöglichkeiten aus dem Beruf aussteigen. „Wir brauchen auch in dieser Legislaturperiode spürbare Maßnahmen, um die Therapieberufe attraktiver zu machen“, erklärt Andrea Rädlein.

Der SHV fordert deshalb höhere Einkommen, mehr Autonomie in der Berufsausübung und bessere Entwicklungsperspektiven in der Branche durch die Akademisierung.

Mit einer dauerhaften Entkoppelung von der Grundlohnsummenbindung für Vergütungsverhandlungen, dem Direktzugang zum Therapeuten und einer Entfristung der Modellstudiengänge werden die Gesundheitsberufe attraktiver. Das sichert die therapeutische Patientenversorgung und verbessert den Alltag vieler Menschen und den der Therapeuten ganz konkret. „Wir setzen auf den Tatendrang der neuen Regierung und darauf, dass neue Gesetze die therapeutische Versorgung in Deutschland sichern“, betont Andrea Rädlein.

Die Kanzlerin hat in ihrer Regierungserklärung am 21.03.2018 bereits zwei wichtige Vorhaben für den Heilmittelbereich angekündigt bzw. bekräftigt.

  • Kostenfreiheit der Ausbildung, also insbesondere Wegfall des Schulgeldes
  • Ausbildungsvergütung

Von daher wird die Regierungserklärung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn heute um 14:00 Uhr mit besonderem Interesse erwartet.

Wer Interesse hat, kann über den Online-Streaming-Dienst des Bundestags live daran teilnehmen.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände e. V. (SHV) blickt gespannt auf die im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung vereinbarten Positionen zur Gesundheitspolitik, die die Gesundheitsfachberufe betreffen. Daher traf sich der Vorstand des SHV am 21. März 2018 mit dem Gesundheitsexperten und Bundestagsmitglied Dr. Roy Kühne, um gemeinsam die Ziele und Erwartungen in der aktuellen Legislaturperiode auszuloten.

Am Anfang stand der Dank des Vorstandes an Dr. Kühne, MdB, denn der Koalitionsvertrag enthält bereits die Festlegung, dass die Ausbildung in den Heilmittelberufen schnellstmöglich schulgeldfrei gestellt wird. Dies war und ist eine der Kernforderungen des Berufsstandes.

Die Entwicklung der Vergütung auf Basis des HHVG ist erfreulich: Vergütungserhöhungen von bis zu 30% über drei Jahre (2017-2019) sind die Regel und machen die Heilmittelberufe deutlich attraktiver.

Einvernehmlich bestand die Meinung, dass sich in dieser Anpassungsperiode weitere, deutliche Vergütungserhöhungen ab 2020 anschließen müssen. Hier muss der Gesetzgeber rechtzeitig handeln.

Noch der inhaltlichen Ausgestaltung bedarf die Festlegung im Koalitionsvertrag, „für die zukünftigen Herausforderungen die Aufgabenverteilung der Gesundheitsberufe neu zu justieren und den Gesundheitsfachberufen mehr Verantwortung zu übertragen.“ (Zeile 4682 ff, Seite 101 des Koalitionsvertrages) Dies setzt voraus, dass mehr Kompetenzen von den Ärzten z.B. auf die Heilmittelberufe zu übertragen sind. Auch dies entspricht einer alten Kernforderung des Berufsstandes, der mit dem Modell des Direktzugangs (Direct Access) international bewährte Lösungsvorschläge anbietet. Dr. Kühne und der Vorstand des SHV waren sich einig, dass die Diskussion zwischen Politik und Berufsstand über konkrete Maßnahmen nun unverzüglich beginnen muss, damit die Ergebnisse der Diskussion in die ohnehin anstehende Novellierung der Berufsausbildungsgesetze einfließen können.

 

Nach langem Zögern sind die Weichen für die Regierungsbildung gestellt. Der Spitzenverband der Heilmittelverbände e. V. (SHV) begrüßt, dass nun endlich eine Bundesregierung gebildet wird, denn es stehen wichtige Entscheidungen zur Fachkräftesicherung im interprofessionellen Gesundheitswesen an.

Der SHV steht für die Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung sowie die Aufwertung des Status der Therapieberufe. Voraussetzung ist, dass die bestehenden Versorgungsstrukturen im Heilmittelbereich so gestaltet werden, dass der aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden Multimorbidität absehbar steigende Bedarf an Heilmitteln nachhaltig gesichert wird. Vor allem müssen die Rahmenbedingungen für die Berufsausübung nachhaltig verbessert werden. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Der SHV erwartet von der Politik Entscheidungen hinsichtlich:

  • einer dauerhaften finanziellen Aufwertung der Therapieberufe.
    Nur so kann den rückläufigen Ausbildungszahlen und der hohen Berufsaussteigerquote begegnet werden und die Attraktivität des Berufsbilds des Therapeuten nachhaltig gesteigert werden.
  • Wegfall der Schul- und Studiengebühren und auskömmliche Finanzierung der Ausbildung
    Die hohen Schul- und Studiengebühren schrecken interessierte junge Menschen von der Ausbildung in den Heilmittelberufen ab, sie gehören umgehend abgeschafft. Zeitgleich muss für die Schulen und Hochschulen die notwendige Qualität und dem folgend eine auskömmliche Finanzierung sichergestellt werden, die den Anforderungen an unsere Berufe gerecht wird.
  • der Einführung des Direktzugangs für Patienten zu Heilmittelerbringern.
    Die Vorteile des Direktzugangs für die Patientenversorgung liegen auf der Hand: Eine schnellere therapeutische Versorgung, zufriedenere Patienten und geringere Kosten.
  • Versorgung im stationären Bereich
    Die Versorgung im stationären Bereich setzt voraus, dass die Therapiequalität über Personalschlüssel abgesichert wird, um nicht zuletzt die therapeutische Qualitätssicherung ambulanter Anschlussbehandlung zu garantieren.
  • der Einrichtung neuer Qualifizierungs- und Bildungswege und der Förderung von Forschung.
    Die Einrichtung weiterer primärqualifizierender Studiengänge für Therapieberufe und die Überführung der Modellstudiengänge in die Regelversorgung sind überfällig. Nur so kann auf den demografischen Wandel und den steigenden Therapiebedarf bei Multimorbidität der Patienten reagiert werden.
  • eine vollständige Einbeziehung der Heilmittelerbringer in die Gesundheitstelematik.
    Die telematische Vernetzung auch der Heilmittelpraxen im Sinne des
    291 SGB V ist zwingend, um einen tatsächlichen Mehrwert für alle Beteiligten an der Patientenversorgung zu erreichen. Dazu zählen auch die Einführung eines elektronischen Heilberufsausweises und konkrete Regelungen für den Zugriff auf die Fallakte, die alle im Rahmen der konkreten Therapieentscheidung notwendigen Befunde, Diagnosen, Therapieempfehlungen enthält.

„Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Kassen-Patienten und Privatpatienten, zwar nicht in der Qualität der einzelnen Therapien, aber z. B. bei der gesetzlichen Zuzahlung zu den Behandlungskosten, die nur für GKV-Patienten gilt!“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelerbringer. Konkret geht es um die Zuzahlung nach § 61 Satz 3 SGB V. Sie beträgt 10,00 € pro Verordnungsvordruck zzgl. 10 Prozent der Behandlungskosten und muss von den Behandlern im Heilmittelbereich bei den Patienten eingezogen und an die zuständige Krankenkasse abgeführt werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Bei einem durchschnittlichen physiotherapeutischen Rezeptwert (in 2016) von 174 € liegt die durchschnittliche Zuzahlung somit bei 27,40 €/Verordnung. Diese Zuzahlungspflicht trifft ausschließlich die Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung und wird – anders als in der privaten Krankenversicherung – nicht mit einem Beitragsrabatt belohnt. Ein klarer Nachteil für Kassenpatienten. Hier macht eine Änderung wirklich Sinn.

Weitere Unterschiede gibt es hinsichtlich des Umfangs der Versorgung mit Heilmitteln. Während Ärzte bei Kassenpatienten bei der Verordnung von Heilmitteln immer auch die durch ihre KV festgesetzten Richtgrößen einhalten müssen, entscheidet der Arzt beim Privatpatienten frei von wirtschaftlichen Zwängen darüber, welche Therapie die sinnvollste für den Patienten ist.

„Wer also Unterschiede zwischen gesetzlich bzw. privat Krankenversicherten beseitigen will, sollte hier anfangen. Denn den Wegfall der Zuzahlung bzw. Budgetierung spürt der gesetzlich versicherte Patient sofort und fühlbar“, fordert Ute Repschläger und betont einen weiteren Vorteil: Der bürokratische Aufwand, der für die Praxen mit der Einziehung der Zuzahlung verbunden ist, fordert viel Zeit, die besser für die Therapie der Patienten verwandt wird. So können Wartezeiten verkürzt werden. Genau das war auch der Grund, warum im Jahr 2013 die so genannte Praxisgebühr in den Arztpraxen abgeschafft wurde. Stichwort: Bürokratieabbau.

Der SHV begrüßt die Eckpunkte im Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD – positive Akzente zur Sicherung der Heilmittelversorgung in Deutschland erkennbar!

Aus Sicht des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) zeigen die Ergebnisse der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD, dass die (möglichen) Koalitionspartner bereit sind, die Probleme in der Gesundheitsversorgung tatkräftig anzupacken.

 

Wichtig für die Heilmittelerbringer und die therapeutische Patientenversorgung ist neben der Schulgeldfreiheit, die nun erstmals als Teil einer Ausbildungsoffensive in einem „Koalitionsvertrag“ festgezurrt werden soll, das Ziel, über bessere Rahmenbedingungen Fachkräfte in die therapeutischen Einrichtungen zurückzuholen.

Außerdem ist das klare Bekenntnis der Parteien zu mehr Vernetzung und einer flächendeckenden medizinischen und pflegerischen Versorgung auch für Heilmittelerbringer wie beispielsweise Ergotherapeuten, Masseure, Physiotherapeuten und Podologen wichtig. So kann die Patientenversorgung unabhängig vom Wohnort nachhaltig im Rahmen einer sektorenübergreifenden Versorgung vorangebracht werden.

Der SHV wird in den anstehenden Koalitionsverhandlungen darauf drängen, dass der Koalitionsvertrag zu diesen Stichworten klare Arbeitsaufträge enthält und darüber hinaus auch überholte Beschränkungen in der Berufsausübung der Heilmittelerbringer auf den Prüfstand kommen. „Wir werden weiter mit konkreten Vorschlägen wie beispielsweise dem Direktzugang für Patienten zum Heilmittelerbringer auf die Parteien zugehen und den Mehrwert darstellen“, so Ute Repschläger, Vorsitzende des SHV. Ebenso bedarf es klarer Aussagen zur Modernisierung der Ausbildung einschließlich des Zugangs zur hochschulischen Ausbildung, um so auch den Heilmittelerbringern den längst überfälligen Zugang zu Wissenschaft und Forschung zu eröffnen.

Der SHV begrüßt außerdem, dass sich die Koalition dazu bekennt, Personaluntergrenzen für alle bettenführenden Abteilungen in Krankenhäusern einzuführen. „Wir gehen davon aus, dass eine entsprechende Maßnahme auch im Heilmittelbereich greift und damit der therapeutischen Qualitätssicherung im stationären ebenso wie im nachgelagerten ambulanten Bereich dient.“, betont Ute Repschläger, Vorsitzende des SHV. Eine entsprechende Festlegung im Koalitionsvertrag ist wichtig, damit der Handlungsauftrag allen Beteiligten klar ist.

Alle Vertreter der Gesundheitsberufe warten darauf, dass die Gesprächspartner in den Fraktionen und Ministerien nun zügig gewählt und benannt werden: Der Gesprächsbedarf wächst mit jedem Tag. Konkrete Lösungen sind für die Sicherung der Patientenversorgung überfällig.

Etwa 1,9 Millionen Beamte werden von dem Entwurf einer Rechtsverordnung des Bundesinnenministeriums (BMI) mit Anpassungen im Bereich der Beihilfe profitieren. Aktuell befindet sich der Referentenentwurf im Anhörungsverfahren. Neben Verbesserungen in der
therapeutischen Versorgung, gibt es aber auch noch Nachbesserungsbedarf.

 

Die Fakten: Höchst positiv ist, dass der Referentenentwurf eine zweistufige Erhöhung der beihilfefähigen Höchstbeträge von ca. 20 Prozent in der ersten Stufe und weiteren ca. 10 Prozent in der zweiten Stufe vorsieht. In der Summe steigen die erstattungsfähigen Höchstbeträge damit um rund 32 Prozent. „Im Sinne unserer Patienten, begrüßen wir diese Entwicklung sehr“, betont Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV).

Neben der Anpassung der Höchstbeträge wird es positive Anpassungen in den Leistungsverzeichnissen geben. Bei der Ergotherapie erfolgte die Aufnahme der Beratungsleistungen und der Belastungserprobung, so wie es die Leistungsbeschreibung Ergotherapie für die Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch vorsieht. Im Bereich der Physiotherapie gibt es zukünftig neu eine Befundposition und eine Position Palliativ Care. Für die Podologie sind sogar fünf Leistungspositionen zur Nagelspangenbehandlung mit drei verschiedenen Spangenarten neu hinzugekommen – eine Domäne der podologischen Therapie.

Allerdings bedarf es noch einer Korrektur: Denn der Referentenentwurf legt den Richtwert  für die krankengymnastische Einzelbehandlung neu mit 30 Minuten fest. Der bisherige rstattungssatz von 19,50 Euro wurde zwar wie alle anderen Positionen ebenfalls linear erhöht, nicht aber an den neuen zeitlichen Richtwert angepasst. Der Erstattungssatz läge damit – sicher ungewollt – unter den Sätzen der GKV.

Als mögliche Lösung kommt eine entsprechende Anpassung des beihilfefähigen Höchstbetrags oder eine Absenkung des zeitlichen Richtwerts für die Behandlung in Betracht. Letzteres läge allerdings nicht im Interesse der Patienten, die bei dem zeitlichen Richtwert von 30 Minuten eine bestmögliche Therapie erhalten können.

Wichtige Hintergrundinformationen zur Beihilfe: Die beihilfefähigen Höchstsätze für Beamte sind keine „Gebührenordnung“, nach der Heilmittelerbringer abrechnen müssen. Die ortsüblichen Gebühren für Heilmittelleistungen für Privatpatienten liegen in der Regel deutlich höher. Der beihilfefähige Höchstbetrag gilt ausdrücklich als nur teilweise Erstattung der Heilmittelrechnungen. Basis für die Abrechnung der Heilmitteltherapie mit Privatpatienten sollte deshalb, um alle Zweifel auszuschließen, stets eine zwischen Heilmittelerbringer und Privatpatienten getroffene Honorarvereinbarung sein, in der auf der Basis der ärztlichen Verordnung Vergütung und Art der Therapie dokumentiert werden.

Schnellere therapeutische Versorgung, zufriedenere Patienten und geringere Kosten – das wäre möglich durch den direkten Zugang der Patienten zu Heilmittelerbringern.

 

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) fordert von der Politik die Einführung des Direktzugangs für Patienten zum Therapeuten.

„Es ist Zeit, dass eine effektive und sichere Versorgungsform wie der Direktzugang den Patienten auch in Deutschland zu Gute kommt“, betont Karl-Heinz Kellermann, stellvertretender Vorsitzender des SHV, das Potenzial des Direktzugangs. Durch den Direktzugang ergeben sich Vorteile für Patienten, Ärzte und für das Gesundheitssystem.

Es ist wissenschaftlich bewiesen: Der direkte Zugang des Patienten zum Therapeuten erhöht die Qualität der Versorgung und senkt gleichzeitig die Kosten. Darüber hinaus ermöglicht der Direktzugang eine neue und auf die Zukunft ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten. In anderen europäischen Ländern ist dies längst bewährte Praxis. In Deutschland scheitert es bislang noch an fehlenden rechtlichen Rahmenbedingungen und am unbegründeten Widerstand der Ärzteschaft.

Internationale Studien haben gezeigt: Mit dem Direktzugang startet die Behandlung schneller, es sind meist weniger Therapien erforderlich und die Patientenzufriedenheit ist hoch. Von den positiven Auswirkungen profitieren auch die Krankenkassen.

„Der Weg zum Direktzugang könnte kurz sein. Die Politik ist am Zug. Eine Anpassung der Berufsausbildungsgesetze bringt Rechtssicherheit für Therapeuten und ein neues, international bewährtes Versorgungsangebot für Patienten“, erklärt Karl-Heinz Kellermann.

Rückenwind für den Direktzugang gibt es auch aus den Bundesländern: Die Gesundheitsminister der Länder unterstützen geschlossen die Forderung nach Modellvorhaben zum Direktzugang. Den Entscheidern in Berlin fehlte in der vergangenen Legislaturperiode am Ende der Mut. Verabschiedet wurde ein Gesetz, das nur Modellvorhaben zur Blankoverordnung gestattet. Diese ersparen den Patienten aber nicht den Gang zum Arzt. Erst nach der ärztlichen Diagnose und auf der Basis einer Blankoverordnung, können Heilmittelerbringer über Frequenz, Dauer und Anzahl der Behandlungen freier entscheiden als bislang. Die Blankoverordnung bleibt damit weit hinter den Möglichkeiten des Direktzugangs zurück. Deshalb fordert der SHV in dieser Legislaturperiode von der Politik mehr Mut und eine zügige Anpassung der Berufsgesetze im Sinne der Patienten und der Therapeuten.

„Wir Therapeuten kennen unsere eigenen Grenzen bei der Analyse von Untersuchungsergebnissen und können daher auch feststellen, ob eine weitere ärztliche Untersuchung im Sinne der Patientensicherheit und einer interprofessionellen Zusammenarbeit nach wie vor unverzichtbar ist“, ergänzt Karl-Heinz Kellermann.

Am 21. September 2017 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Änderungen der Heilmittel-Richtlinie beschlossen. Am 23. November erfolgte die Veröffentlichung des Beschlusses im Bundesanzeiger. Die Änderungen treten zum 01. Januar 2018 in Kraft. Die Beschlüsse und Änderungen sind nun auch online verfügbar – klicken Sie hier, um direkt zur Seite des G-BA zu gelangen.

 

Vorschläge des SHV aufgegriffen

Der SHV hatte den G-BA darauf hingewiesen, dass die Diagnose Torticollis Spasticus nur dann von den Krankenkassen als längerfristiger Heilmittelbedarf anerkannt wird, wenn der Arzt den Diagnoseschlüssel WS2 auf die Verordnung aufträgt. Damit scheidet aber eine Behandlung dieser Patienten im Rahmen der KG-ZNS aus. Damit diese Patienten weiter mit KG-ZNS behandelt werden können, bedarf es in der Anlage 2 der Heilmittelrichtlinie (Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf nach § 32 Abs. 1a SGB V) einer Korrektur. 

Erfreulich: Der G-BA ist mit seinem Beschluss den Empfehlungen des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) zur Therapie des Torticollis Spasticus vollumfänglich gefolgt. Hier der Auszug aus dem Beschlusstext zu den einzelnen Punkten:

Unter dem ICD-10 Code G24.3 Torticollis spasticus wird die Diagnosegruppe WS2 gestrichen und durch die Diagnosegruppen ZN1 und ZN2 ersetzt. Mit dieser Korrektur wird Hinweisen aus der Versorgung nachgekommen. Bei dem Torticollis spasticus (zervikale Dystonie) handelt es sich um eine neurologisch bedingte Fehlhaltung des Halses, welche auch bei unter 18-Jährigen auftritt. Diese wird mittels KG-ZNS bzw. KG-ZNS Kinder und mit Wärmetherapie/Kältetherapie behandelt, wodurch der Muskeltonus reguliert und vorhandenen Spastiken entgegengewirkt wird. Die Anlage 2 HeilM-RL nahm bislang jedoch fälschlicherweise auf Wirbelsäulenerkrankungen Bezug, sodass die tatsächlich benötigten Formen der Krankengymnastik nicht ohne Weiteres als langfristiger Heilmittelbedarf qualifiziert wurden.

Für die Ergotherapie betrifft die Änderung ausschließlich die Erkrankung der systemischen Sklerose. Im aktuellen HM-Katalog wurde die systemische Sklerose den Indikationsschlüsseln SB1 und SB5 zugeordnet. Da SB1 ausschließlich Wirbelsäulenerkrankungen betrifft, dagegen aber die SB7 mit der Diagnosegruppe „Gefäß-, Muskel-, Bindegewebe“ auf die systemische Sklerose passt, hat der DVE um eine entsprechenden Anpassung gebeten, der jetzt mit der Änderung durch den G-BA entsprochen wurde. Ab sofort wird die systemische Sklerose den Indikationsschlüsseln SB5 und SB7 zugeordnet, dies betrifft auch die Zuordnung in der Diagnoseliste des langfristigen Heilmittelbedarfs für die ICD-10 M34.0 und M34.1.

Die Heilmittelberufe begrüßen die gemeinsame Überzeugung der Sondierungspartner, dass die flächendeckende qualitätsorientierte medizinische Versorgung ein zentrales Thema der Gesundheitspolitik ist und bleibt. Zentrales Thema ist daher auch  die Fachkräftesicherung im interprofessionellen Gesundheitswesen. Dies gilt gleichermaßen für die Pflege wie für die Heilmittelerbringung, insbesondere die flächendeckende Versorgung im ländlichen Raum.

Wir rufen deshalb die Jamaika-Runde auf, in den weiteren Gesprächen Festlegungen – und damit Arbeitsaufträge – insbesondere auch zu den folgenden Themen im Heilmittelbereich zu treffen:

  1. Die Novellierung der Berufsausbildungsgesetze hat erste Priorität. Denn:
  • In der Berufsausbildung werden die Weichen für die Behandlungsqualität
  • Ohne eine deutliche Steigerung der Ausbildungszahlen lässt sich eine flächendeckende Versorgung auch mit Heilmitteln auf Dauer nicht sicherstellen.
  • Nur eine attraktive Ausbildungssituation, die die Akademisierung einschließt, macht den Beruf zukunftssicher und damit attraktiv für kompetenten Nachwuchs.
  • Die Ausbildung in den Heilmittelberufen muss kostenlos angeboten werden.
  1. Ko-operative Therapiemodelle
  • Eine echte patientengerechte Versorgung ist gekennzeichnet durch die gemeinsame interprofessionelle Betreuung eines individuellen Patienten.  Hierzu bedarf es gesetzlicher Vorgaben, die Delegation und Substitution neu definieren. Dabei darf nicht die unterschiedliche Ausbildung im Vordergrund stehen, sondern der Grad der Spezialisierung in der gegebenen Situation.
  • Teil dieser Neuordnung ist im Interesse der Patienten auch der Direktzugang sowie die Einbindung der Heilmittelpraxen in die Telematikinfrastruktur (§ 291 a SGB V).
  1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  • Die Arbeitsbedingungen im Heilmittelbereich können nur dann spürbar verbessert werden, wenn auch – über die Maßnahmen des HHVG hinaus – die Frage der Vergütung diskutiert und einer befriedigenden Lösung zugeführt wird. Nur so kann die Personalausstattung im ambulanten und stationären Bereich spürbar verbessert werden.

In diesem Sinne hoffen und erwarten die Tätigen im Heilmittelbereich, dass die Jamaika-Runde die Sondierungsgespräche zum Thema Gesundheit mit entsprechenden Festlegungen abschließt.