Archiv der Kategorie: Startseite

Am 1. Januar 2026 hat Manuela Pintarelli-Rauschenbach, Bundesvorsitzende des VPT Verband für Physiotherapie, Andreas Pfeiffer, Vorsitzender im Deutschen Verband Ergotherapie (DVE), als Vorsitzenden des SHV abgelöst.  

Nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten und fünf Jahren im Amt übergibt Andreas Pfeiffer den Staffelstab zum Jahresbeginn an seine Nachfolgerin vom VPT, die vom SHV-Vorstand satzungsgemäß und einstimmig gewählt wurde.

Der SHV-Vorstand bedankt sich, auch im Namen aller Mitglieder, bei Andreas Pfeiffer für seinen unermüdlichen Einsatz und seine Verdienste um eine zukunftsfähige Versorgung und gratulierte Manuela Pintarelli-Rauschenbach zum Amtsantritt.

Vor uns liegen nach wie vor viele, überaus drängende Aufgaben. Wir haben schon einiges erreicht, aber die Herausforderungen, denen sich unser Gesundheitssystem gegenüber sieht, verlangen nach schnellen, effizienten und nachhaltigen Lösungen. Vom Direktzugang über die Reform der Berufsgesetze bis zur Digitalisierung und Fortschritten beim interprofessionellen Austausch: Ohne zukunftsfähig aufgestellte Heilmittelberufe geht es nicht, sie gehören zum Rückgrat einer stabilen Versorgung. Deshalb müssen wir endlich vom Reden ins Handeln kommen, davon müssen wir die Politik überzeugen“, beschreibt die neue Vorsitzende ihre und die Rolle des SHV nach erfolgter Staffelübergabe.   

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände

Der mittlerweile auf sieben Mitgliedsverbände angewachsene Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) vertritt als maßgeblicher Dachverband mehr als 75.000 Mitglieder. Das macht ihn zur einflussreichen berufspolitischen Interessenvertretung der Heilmittelerbringer gegenüber Politik, dem institutionalisierten Gesundheitswesen und der Öffentlichkeit.

Auf der prominent besetzten Gesundheitsberufekonferenz der Grünen im Bundestag diskutierte die stv. SHV-Vorsitzende Manuela Pintarelli-Rauschenbach Wege zu einer effizienteren Patientenversorgung. Im Fokus standen die interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die zeitnahe Umsetzung der Berufsgesetzreform sowie die vollumfängliche digitale Teilhabe durch ePA-Schreibrechte.

Hochkarätiger Austausch zur Zukunft der Gesundheitsberufe

Unter dem Titel „Wie versorgen wir morgen?“ hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen am 13.12.2025 zur Gesundheitsberufekonferenz nach Berlin eingeladen. Die Veranstaltung überzeugte durch einen guten Austausch auf Augenhöhe und konnte wichtige Impulse setzen. Dass die Fraktion das Thema priorisiert, zeigte die prominente Besetzung mit vielen Abgeordneten: Neben den Gastgebern Simone Fischer MdB und Dr. Janosch Dahmen MdB, welche die Konferenz leiteten, nahm auch die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann teil. Ein besonderes Highlight war der Impulsvortrag von Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dessen Ansätze zur Systemgestaltung auf große Resonanz stießen.

Für den Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) unterstrich die stv. Vorsitzende Manuela Pintarelli-Rauschenbach auf dem Podium, dass eine effiziente Patientenversorgung nur gelingt, wenn die Gesundheitsberufe ihre gerechte Rolle im System erhalten. Begleitet wurde sie von dem SHV-Vorsitzenden Andreas Pfeiffer, der in den Fachforen zentrale Akzente setzte.

„Interprofessionelle Zusammenarbeit verbessert Therapie und Versorgung, braucht aber sinnvolle Strukturen, muss berufsübergreifend organisiert und vergütet werden. Zudem kann die Digitalisierung die Kommunikation effizienter machen, dafür müssen aber bspw. die Schreibrechte in der ePA endlich umgesetzt werden.“ – Manuela Pintarelli-Rauschenbach, stv. SHV-Vorsitzende

Reformstau auflösen: Akademisierung als Fundament

Ein zentraler Punkt der Diskussion war die notwendige Modernisierung der Ausbildung. Im Themenforum 3 „Gesundheitsberufe in gesellschaftlichen Umbrüchen“ mit Paula Piechotta MdB betonte Andreas Pfeiffer die Bedeutung der Reform der Berufsgesetze:

„Die Akademisierung muss jetzt endlich beginnen! Auch als Grundlage für die interprofessionelle Zusammenarbeit, am besten schon in der gemeinsamen Ausbildung.“ – Andreas Pfeiffer, SHV-Vorsitzender

Zudem schärfte der SHV seine Position zur Digitalisierung: Während das Recht auf Schreibrechte in der Elektronischen Patientenakte (ePA) im SGB V bereits verankert ist, sieht die gematik dies aktuell in ihren Planungen nur sehr eingeschränkt vor. Der SHV fordert daher die konsequente Umsetzung der Schreibrechte, damit Heilmittelerbringer aktiv zu einer besseren Patientenversorgung beitragen können.

Der SHV bedankt sich bei der Grünen-Fraktion für die wertvollen Impulse und die Gelegenheit, die Kompetenzen der Heilmittelberufe als tragende Säule einer effizienten Versorgung hervorzuheben.

Die Geschäftsstelle des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) – und damit auch die Geschäftsführung – wechselt turnusgemäß alle drei Jahre zwischen den Mitgliedsverbänden des SHV. Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt der IFK in Bochum die Geschäftsstelle, die bisher ihren Sitz bei Physio Deutschland in Köln hatte. IFK-Geschäftsführer Dr. Björn Pfadenhauer wird zukünftig auch Geschäftsführer des SHV. Gemeinsam mit Stefanie Wagner und Melina Bräcker wird er in Bochum für die nächsten drei Jahre die Geschäfte des Spitzenverbands organisieren.

Ab Januar ändern sich damit auch die Kontaktdaten des SHV. Die Geschäftsstelle des SHV ist ab dem 1. Januar 2026 wie folgt zu erreichen:

Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e.V.

Gesundheitscampus-Süd 33

44801 Bochum

Telefon: 0234 977 45-68

E-Mail: info@shv-heilmittelverbaende.de

Ein Dank gebührt Physio Deutschland und den Mitarbeiterinnen Britta Mohrmann und Beatrix Schenk, die mit ihrem Engagement wesentlich zum reibungslosen Ablauf der SHV-Geschäftsstelle beigetragen haben.

Foto

 

 

 

 

BU: v.l.: Melina Bräcker, Dr. Björn Pfadenhauer, Stefanie Wagner

„Gesundheitskompetenz – KI als Gamechanger?!“ lautete das Thema einer Tagung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in diesem Herbst, bei der diskutiert wurde, ob und wie KI die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung nachhaltig verbessern kann, welche technischen Möglichkeiten es bereits gibt und auf welche Entwicklungen wir uns einstellen müssen. Auch die Frage, wie die Qualität von KI-generierten Gesundheitsinformationen sichergestellt werden kann, stand auf der Agenda.

Für den SHV nahmen Ivana Jähn (Bundesverband Podologie) und Ute Repschläger (IFK) an der Veranstaltung teil.

Nicht zuletzt durch das Aufkommen von ChatGPT und der Nutzung von KI innerhalb der Suchmaschinen von Google und Co. nutzen und vertrauen immer mehr Menschen auf die Informationen von KI-Systemen – auch in Bezug auf Gesundheitsinformationen. Die Sorge ist, dass dadurch das Risiko von Fehlinformationen und Gesundheitsinformationen ohne Evidenzgrundlage steigt; klassische Gesundheitsportale verlieren an Bedeutung und Reichweite. 

In den Grußworten von Staatssekretär Christian Luft (BMG) und Dr. Johannes Nießen (komm. Leiter BIÖG) wurde auf der Tagung deutlich: Der Staat trägt eine besondere Verantwortung, verlässliche, gut verständliche und evidenzbasierte Gesundheitsinformationen auch im digitalen Raum zur Verfügung zu stellen. KI könne hier unterstützen – aber nur, wenn Qualität, Transparenz und Gemeinwohlorientierung Leitprinzipien seien.

Im Laufe des Tages wurde in verschiedenen Vorträgen erkennbar, wie KI-gestützte Systeme die öffentliche Gesundheitskommunikation verändern. Sie können komplexe Inhalte verständlicher machen, personalisierte Unterstützung bieten und redaktionelle Prozesse effizienter gestalten. Gleichzeitig bestehen aber auch neue Risiken: intransparente Modelle, Qualitätsverluste und ein möglicher Kontrollverlust über die Darstellung von Inhalten. Auch Risiken durch Fehlinformationen, Missverständnisse, falsche Nutzung oder Überschätzung der KI-Kompetenz sind zu beachten.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion „Gesundheitskompetenz — KI als Gamechanger: Was bringt die Zukunft?“ diskutierten Vertreter aus Forschung und Praxis anhand zweier Leitfragen: Was heißt das für Praxis und Forschung? Und was heißt das für die gesundheitliche Versorgung?

Ein Grundtenor des Podiums war, dass KI ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sein kann – wenn sie in transparente, evidenzbasierte und menschenzentrierte Strukturen eingebettet ist. Momentan ist KI weder Allheilmittel noch reine Gefahr. Sie ist ein machtvolles Werkzeug, das Informationszugänge erleichtern, Gesundheitskompetenz unterstützen, aber auch Ungleichheiten verstärken und Vertrauen untergraben kann. Entscheidend ist, wie KI entwickelt, reguliert und in bestehende Strukturen integriert wird.

Damit KI tatsächlich zum Gamechanger für Gesundheitskompetenz werden kann, braucht es standardisierte, interoperable Daten, klare Qualitäts- und Transparenzstandards, gemeinwohlorientierte Governance, eine Stärkung der (digitalen) Gesundheitskompetenz in allen Bevölkerungsgruppen und einen deutlichen politischen Umsetzungswillen. Nur unter diesen Bedingungen kann KI tatsächlich zum Gamechanger für Gesundheitskompetenz werden – im Sinne der öffentlichen Gesundheit und der Menschen, die auf verlässliche Informationen angewiesen sind.

Am 29. November 2025 hat der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) auf Anfrage konkrete Eingaben an die vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eingesetzten „FinanzKommission Gesundheit“ gemacht.

Die Finanzkommission sammelte bis Ende November 2025 in Form einer Online-Umfrage mögliche Verbesserungsvorschläge, die effektiv im Hinblick auf Versorgungspotenziale und die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems sein könnten. Insbesondere Einsparpotenziale sollen damit gehoben werden. Dieser Aufforderung ist der SHV nachgekommen und hat dabei konkrete Aspekte für den Heilmittelbereich sowie für weitere Bereiche benannt.

Zentrale Optimierungsvorschläge des SHV für den Heilmittelbereich sind:

  • Versorgung stärken durch Heilmittel
  • Ausbau interprofessioneller Zusammenarbeit
  • Änderung der derzeitigen Verordnungspraxis (eVo)
  • Intensivierung Präventionskurse nach 20 SGB V
  • Ausbildungsreform und Novellierung der Berufsgesetze

Für andere Bereiche hat der SHV zur Sicherung der Beitragsstabilität in der Gesetzlichen Krankenversicherung folgende Kernthemen aufgegriffen und erläutert:

  • Versicherungsfremde Leistungen aus Bundesmitteln finanzieren
  • Verwaltungskosten senken
  • Primärversorgung einführen
  • Einführung Direktzugang bei Heilmittelerbringern
  • Ambulante Versorgung vor stationärer Reha
  • Verordnung von Hilfsmitteln und DiGAs durch Heilmittelerbringer
  • Vermeidung und Verschiebung von Operationen

Zum Hintergrund

Ende September 2025 fand die konstituierende Sitzung der von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzten FinanzKommission Gesundheit statt. Der Arbeitsauftrag an die Kommission lautet: Erarbeitung von Maßnahmen für umfassende Reformen zur Finanzstabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Bereits Ende März 2026 und damit auf Bitte der Bundesgesundheitsministerin ein Jahr früher als von der Bundesregierung vorgesehen, soll die FinanzKommission Gesundheit Vorschläge unterbreiten, um die Krankenversicherungsbeiträge ab 2027 zu stabilisieren – und zwar ohne Beitragserhöhungen. Insgesamt hat das Gremium zehn Mitglieder. Als Vorsitzender der Kommission wurde Prof. Dr. Wolfgang Greiner gewählt. Er ist Professor für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement an der Universität in Bielefeld.

Ende Januar 2026 steht in Stuttgart das erste große Event des Jahres in der Heilmittelbranche an: die „therapro – Fachmesse + Kongress“ öffnet ihre Türen für Ergotherapeuten und Physiotherapeuten, Logopäden/Sprachtherapeuten, Podologen und Masseure. Auf dieser ersten Messe im neuen Jahr lädt der Spitzenverband der Heilmittelverbände e. V. (SHV) zu einem spannenden Format abseits des Messetrubels ein. Der SHV-Vorstand wird allen Interessierten die Kernforderungen aus den Heilmittelbereichen an die Politik vorstellen.

Das SHV konkret findet am 31. Januar 2026 von 11 bis 12 Uhr im ICS Internationales Congresscenter Stuttgart, 1. OG, Raum C9.2 statt.

Im Rahmen des beliebten SHV konkret stehen damit gleich zu Beginn des neuen Jahres zentrale berufspolitische Kernforderungen an die Gesundheitspolitik auf der Agenda. Ganz nach dem Motto „Sie fragen, wir antworten“ stellen sich die Vorstände der SHV-Mitgliedsverbände anschließend den Fragen des Publikums.

Die Teilnahme an der Diskussionsrunde SHV konkret ist für alle Messebesucher kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Mehr Infos zur Messe und dem begleitenden Kongressprogramm finden Interessierte hier: https://www.messe-stuttgart.de/therapro

Am 12. November 2025 stand der 7. TherapieGipfel des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) unter dem Motto „Handeln statt reden“. Miteinander statt übereinander reden – genau das sicherte die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken den rund 500 Teilnehmenden in ihrem Grußwort im Langenbeck-Virchow Hörsaal in Berlin zu.

Foto: axentis | georg j. lopata

In seiner Begrüßungsrede unterstrich Andreas Pfeiffer, Vorsitzender des SHV, das Potenzial der Heilmittelerbringer und den Anspruch, Effizienz und Kompetenz weiter zu gestalten. Er begrüßt ausdrücklich, dass die Ministerin in der

aktuellen Debatte der künftigen Ausgestaltung des Gesundheitswesens von Primärversorgung und nicht von Primärarztversorgung spricht, wie es im Koalitionsvertrag steht. Das ermöglicht ein gemeinsames Arbeiten an einer interprofessionellen Ausrichtung der Versorgung und ist somit die Grundlage für moderne Versorgungsansätze.

Großer Dank und konstruktive Zusammenarbeit

Die Bundesgesundheitsministerin sprach den Anwesenden – stellvertretend für alle Berufsangehörigen – ihren großen Dank für ihr fachliches Engagement aus. Die Heilmittelerbringer und ihre Arbeit seien ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung, betonte Nina Warken. Sie habe sich sehr über die Einladung zum diesjährigen TherapieGipfel des SHV gefreut. Dies war eines der ersten Schreiben, das die Ministerin bereits einen Tag nach ihrem Amtsantritt im Mai erreicht hatte.

Reformen erforderlich und in Arbeit

Keinen Zweifel ließ die Bundesgesundheitsministerin am enormen Reformbedarf im Gesundheitswesen. Im Heilmittelbereich sei die Reform der Berufsgesetze längst überfällig. Hier ist bereits in der letzten Legislaturperiode sehr viel Vorarbeit geleistet worden. Die neue Bundesregierung will dies nun aufgreifen und weiterbearbeiten. Die Umsetzung setzt allerdings Rahmenbedingungen voraus, die finanziert werden müssen, so die Ministerin. Hierzu finden Gespräche mit den Bundesländern statt. Auf Nachfrage der Moderatorin, Sabine Rieser, bestätigte die Ministerin, 2026 ein neues Berufsgesetz für die Physiotherapie umsetzen zu wollen.  Weitere Schritte für andere Heilmittelberufsgesetze sind aus ihrer Sicht zwar denkbar, aber dazu sind Regelungen mit den Bundesländern erforderlich.

Die Ministerin betonte, dass gerade im Heilmittelbereich Reformen bereits gegriffen haben: So hat beispielsweise das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) höhere Vergütungen im Heilmittelbereich möglich gemacht und mit der Blankoverordnung den Einstieg dazu geliefert Versorgung individueller zu gestalten, so die Ministerin.

Versorgung neu denken

Versorgung neu denken, das möchte die Ministerin im Rahmen der Ausgestaltung einer neuen Primärversorgung im Gesundheitswesen. Hier gebe es viel Potenzial, das es zu heben gilt – für eine bessere Steuerung und eine Verzahnung der Leistungserbringung im System. Schon bald soll eine konkrete Arbeitsphase mit Workshops und Gesprächen im Ministerium dazu starten, an der auch der SHV aktiv beteiligt wird. Man habe viele Fragestellungen in den vergangenen Monaten erarbeitet. Im nächsten Schritt geht es nun darum, Antworten zu finden und in die Umsetzung zu gehen.

Der Rede von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken schlossen sich zwei thematische Podiumsrunden an. Zunächst griff Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, in einem Impulsvortrag seine Vorstellung einer primärärztlichen Versorgung auf. Unter dem Motto „Primär versorgt – im Team für die Patienten‘‘ diskutierten im Anschluss Serdar Yüksel MdB, SPD, Mitglied im Gesundheitsausschuss, Boris von Maydell, Vertreter des Vorstands und Leiter der Abteilung Ambulante Versorgung (VdEK), Prof. Dr. Lutz Hager, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Managed Care (BMC) und Sebastian John, Geschäftsführer Hausärztinnen- und Hausärzteverband, über Vorschläge und Ideen zur Umsetzung einer Primärversorgung.

Im sogenannten Fishbowlprinzip brachten sich wechselweise für den SHV-Vorstand Andreas Pfeiffer (DVE), Stephan Olbrich (dbl) und Manuela Pintarelli-Rauschenbach (VPT) in die Diskussion ein. Eine Umsetzung eines Primärversorgungssystems unter Einbeziehung der Heilmittelerbringer sei wichtig und könne die Versorgung verbessern. Das unterstrich auch Prof. Dr. Clarissa Kurscheid, unparteiisches Mitglied der Heilmittel-Schiedsstelle, die auf die bereits funktionierende Einbeziehung von Heilmittelerbringern im Rahmen der diversen Versorgungspfade hinwies. Serdar Yüksel brachte es am Ende der ersten Diskussionsrunde auf den Punkt: „Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit“!

Blick über den Tellerrand

Nach einer kurzen Pause, die die Teilnehmenden zum regen Austausch und Netzwerken nutzten, eröffnete der Physiotherapeut Uwe Hallmann die zweite Podiumsrunde „Therapie-direkt: international bewährt – jetzt für Deutschland“ mit einem Einblick in physiotherapeutische Regelungen im Ausland. Regelungen in Skandinavien ermöglichen es entsprechend qualifizierten Physiotherapeuten, viel direkter in die Versorgung eingebunden zu sein. Die Erfahrungen zeigen, dass die Arbeit im Team die Gesundheitsversorgung der Menschen durch die gezielte Nutzung von Kompetenzen und eine zielgerichtete Steuerung verbessern und ihre Effizienz steigern kann. Ursula Jahn‐Zöhrens, Mitglied im Präsidium Deutscher Hebammenverband, berichtete über die Erfahrungen der Hebammen in den letzten Jahren. Der Weg sei alles andere als einfach gewesen. Dank einer EU-Richtlinie gelang der Sprung hin zu einer akademischen Ausbildung. Bereits nach Abschluss von zwei Ausbildungs-Kohorten zeigt sich die Attraktivitätssteigerung des Berufsbildes. Ursula Jahn-Zöhrens betonte, dass die Überwindung von Hierarchien nur durch eine Kommunikation auf Augenhöhe gelingen kann. Dr. Jörg Ansorg, Geschäftsführer des Bundesverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie, unterstrich die Wichtigkeit einer leitliniengerechten Versorgung der Patienten und sieht darin durchaus Chancen die interprofessionelle Zusammenarbeit weiter zu stärken. Wieder im neuen Fishbowlformat untermauerten Andrea Rädlein (Physio Deutschland), Ute Repschläger (IFK) und Katrin Schubert (dbs) in ihren Redebeiträgen die Chancen des Direktzugangs aus den verschiedenen Blickwinkeln der Heilmittelbreiche.

Mit viel Applaus und einem Dank an alle Beteiligten endete die gut dreistündige berufspolitische Veranstaltung mit Schlussworten von Andreas Pfeiffer.

Forderungen und Arbeitsfelder des SHV klar

Traditionell informiert der SHV-Vorstand die Presse im Rahmen eines Pressegesprächs am Rande des TherapieGipfels zu den aktuellen Positionen, Forderungen sowie den Handlungsfeldern des SHV. Acht Kernsätze bestimmen die berufspolitischen Aktivitäten der sieben Mitgliedsverbände des SHV: Gerade die Einbindung als eigenständiger Partner im Primärsystem, die Umsetzung des Direktzugangs, das Voranbringen der Digitalisierung und der damit längst überfällige Bürokratieabbau sind einige der Forderungen, an deren Umsetzung der SHV weiter mit Nachdruck arbeitet.

Positives Fazit – berufspolitische Arbeit geht weiter

Nach dem 7. TherapieGipfel mit Besuch der Bundesgesundheitsministerin und zwei fachlich-inhaltlich Podiumsrunden zu den versorgungsrelevanten Fragen Primärversorgung und Direktzugang kann und wird der SHV gestärkt für die Heilmittelbranche die berufspolitische Arbeit fortsetzen.

Nach dem TherapieGipfel ist vor dem TherapieGipfel: Der TherapieGipfel 2026 findet voraussichtlich am 11. November 2026 wieder im Langenbeck-Virchow Hörsaal in Berlin statt.

 

Bereits zum siebten Mal lädt der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) zum TherapieGipfel nach Berlin. Unter dem Motto „Handeln statt reden“ stehen am 12. November zentrale berufs- und gesundheitspolitische Themen der Heilmittelbranche auf der Agenda der zweiteiligen Podiumsdiskussion.

Eröffnet wird der TherapieGipfel 2025 im Historischen Hörsaal im Langenbeck-Virchow-Haus mit einem Grußwort von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken.

Anschließend diskutieren Dr. Klaus Reinhardt (Bundesärztekammer), Boris von Maydell (vdek), Prof. Dr. Lutz Hager (Bundesverband Managed Care (BMC), Sebastian John (Hausärztinnen- und Hausärzteverband), Simone Borchardt (MdB, CDU/CSU) und Serdar Yüksel (MdB, SPD) gemeinsam mit dem SHV-Vorstand Ideen und mögliche Modelle der Primärversorgung.

Im zweiten Teil der Podiumsdiskussion empfängt der SHV-Vorstand Ursula Jahn‐Zöhrens (Deutscher Hebammenverband), Dr. Burkhard Lembeck (Bundesverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) und Uwe Hallmann (Physiotherapeut aus Norwegen) zur Diskussion über den Direktzugang in der Heilmittelversorgung.

Informativ und ehrlich – für die Heilmittelszene ist der SHV-TherapieGipfel jedes Jahr ein Event mit interessantem Austausch und „Aha-Momenten“.

Köln, 29. September 2025. Im Auftrag von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erarbeitet die zu diesem Zweck eingerichtete Finanzkomission Gesundheit Lösungsvorschläge zur Stabilisierung des defizitären GKV-Systems. Um die finanzielle Schieflage des Systems ohne signifikante Mehrbelastung der Beitragszahler ausgleichen zu können, sollen Einsparpotenziale identifiziert werden. Darin sieht der SHV eine Gefahr für die Versorgungssicherheit.

Vor dem Hintergrund der von Bundesgesundheitsministerin Warken angekündigten kurzfristigen Einsparungen in der GKV warnt der SHV: Keine Einsparungen auf dem Rücken der Patienten. Einsparungen im Bereich der Heilmittelerbringer seien weder zielführend noch nachhaltig.

Am falschen Ende gespart: Bei den Heilmitteln gibt es nichts zu holen – aber viel zu verlieren

  1. Kosteneffizienz durch Prävention und Therapie

Heilmittel verhindern Folgekosten, indem sie Krankheitsverläufe stabilisieren oder Verschlimmerungen verhindern. Einsparungen in diesem Bereich verlagern die Kosten lediglich in die ärztliche und stationäre Versorgung.

  1. Beitrag zur Entlastung der Ärztinnen und Ärzte

Heilmittelerbringer übernehmen bereits heute wichtige Aufgaben in Diagnostik, Therapieplanung und Patientensteuerung. Ohne diesen Beitrag würde die ärztliche Versorgung – insbesondere in ländlichen Regionen – noch stärker überlastet.

  1. Wirtschaftlichkeitsgebot bereits erfüllt

Heilmittelverordnungen unterliegen einer strengen Reglementierung (Heilmittel-Richtlinie, Prüfungen, Budgetierung). Der Sektor weist keine Ausgabenexzesse auf, sondern bewegt sich kontinuierlich innerhalb der vorgesehenen Wachstumsgrenzen.

  1. Dynamik von Versorgungsbedarf und medizinischem Fortschritt

Der Bedarf an Heilmitteln richtet sich nach dem Gesundheitszustand der Bevölkerung und nach neuen therapeutischen Möglichkeiten. Eine starre Orientierung an allgemeinen Maßgrößen würde den tatsächlichen Versorgungsbedarf ignorieren und zu Fehlentwicklungen in der Versorgung führen.

  1. Vermeidung von Fehlanreizen und Versorgungslücken

Eine künstliche Begrenzung der Ausgaben führt nicht zu Einsparungen, sondern zu Wartelisten, abgelehnten Behandlungen und einer Verlagerung in teurere Sektoren. Am Ende entstehen für das System höhere Kosten und für die Patientinnen und Patienten eine Verschlechterung der Versorgung.

  1. Signalwirkung für die Fachkräftebindung

Der Heilmittelbereich leidet schon heute unter Fachkräftemangel. Jede Form von Sparmaßnahmen würde die Attraktivität der Berufe weiter schwächen und langfristig zu Versorgungslücken führen.

„Einsparungen bei den Heilmitteln werden weder kurzfristig helfen noch langfristig tragen. Stattdessen wäre es aus unserer Sicht sinnvoll, versicherungsfremde Leistungen nicht weiter über die GKV zu finanzieren“, so Andreas Pfeiffer in Reaktion auf die angekündigten Sparmaßnahmen. „Sie belasten heute den GKV-Haushalt massiv. Eine vollständige Steuerfinanzierung dieser Posten würde die Krankenkassen um mehrere Milliarden Euro entlasten – dauerhaft und fair.“

 

___________________________________________________

  

Über den Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e.V.:

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) ist die maßgebliche Spitzenorganisation auf Bundesebene im Heilmittelbereich. Im Zusammenschluss der sieben größten Berufsverbände der Heilmittelbranche sind mehr als 75.000 Therapeuten organisiert: Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl), Deutscher Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs), Deutscher Verband Ergotherapie (DVE), Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK), Deutscher Verband für Physiotherapie (Physio Deutschland), Verband für Physiotherapie (VPT) und Bundesverband für Podologie e.V.

Mehr Informationen gibt es unter  www.shv-heilmittelverbaende.de.

Kontakt:

SHV – Spitzenverband der Heilmittelverbände e.V.

Bonner Strasse 143

50968 Köln

Telefon +49 (0) 221 98 10 27 – 28

Telefax +49 (0) 221 98 10 27 – 24

E-Mail: presse@shv-heilmittelverbaende.de

Die demografischen Veränderungen, wirtschaftlicher Druck und technologische Entwicklungen stellen das gesamte Gesundheitssystem vor komplexe Herausforderungen. Die Kernaufgabe ist die Sicherung einer qualitativ hochwertigen und verlässlichen Versorgung von Patientinnen und Patienten. Einen unverzichtbaren Teil dieser Patientenversorgung leisten die Heilmittelerbringer, die ganz entscheidend zur Lebensqualität und Rehabilitation der Menschen beitragen. Um die Versorgung mit Heilmitteln langfristig und qualitätsgesichert zu gewährleisten, müssen die bestehenden Versorgungsstrukturen in diesem Bereich zukunftsfähig gestaltet werden.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e. V. beschreibt daher in seinem Positionspapier, das sich den aktuellen Herausforderungen der Heilmittelberufe zuwendet, welche Rahmenbedingungen aus seiner Sicht verbessert werden müssen.

Dies sind die Kernforderungen des SHV im Überblick

  • Akademisierung und Ausbildungsreform: Der SHV fordert eine reguläre hochschulische Ausbildung für die Heilmittelberufe Ergotherapie, Logopädie/Sprachtherapie und Physiotherapie sowie eine zeitnahe Neufassung der veralteten Berufsgesetze. Für die Übergangszeit soll eine auskömmliche Finanzierung der Ausbildungsprogramme sichergestellt werden. Die Erhebung von Schulgeldern lehnt der SHV ab.
  • Stärkung der Versorgungsstrukturen: Für eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Versorgung fordert der SHV die Schaffung und Vergütung interprofessioneller Versorgungsstrukturen, die den fachlichen Austausch fördern. Zudem setzt sich der Verband für mehr Autonomie in der Behandlung ein – insbesondere durch die Einführung des Direktzugangs.
  • Attraktive Arbeitsbedingungen: Angesichts des Fachkräftemangels fordert der SHV bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine attraktive Vergütung für ambulant tätige Therapeutinnen und Therapeuten. Die Entwicklung von Karrierewegen innerhalb der Heilmittelberufe ist ebenfalls von hoher Bedeutung.
  • Mitbestimmung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA): Der SHV fordert einen stimmberechtigten Sitz im G-BA für Heilmittelerbringer, um die Rahmenbedingungen der Heilmittelversorgung aktiv mitgestalten zu können. Bislang sind Heilmittelerbringer nur über das Stellungnahmeverfahren beteiligt.
  • Bürokratieabbau: Der Verband setzt sich für die Abschaffung der Prüfpflicht für Verordnungen, die Entlastung beim Zuzahlungseinzug und eine Modernisierung der Leistungsbestätigung ein, um mehr Zeit für die Patientenversorgung zu haben.
  • Nachhaltigkeit und Prävention: Heilmittelerbringer sollen frühzeitig in die Früherkennung und Prävention von Erkrankungen eingebunden werden. Der SHV fordert ganzheitliche Präventionsprogramme und eine stärkere Nutzung der Expertise der Therapieberufe in der Gesundheitsförderung.
  • Digitalisierung: Der SHV fordert die Einbindung der Heilmittelerbringer in die Entwicklung digitaler Anwendungen und die Telematikinfrastruktur, damit die Digitalisierung praxisnah und entlastend wirkt. Mobile Szenarien wie Hausbesuche müssen dabei mitgedacht und ausreichend finanziert werden.
  • Stärkung ambulanter Praxen: Ambulant tätige Heilmittelerbringer sichern die wohnortnahe Versorgung. Der SHV warnt vor einer Konzentration auf große Zentren und fordert den Erhalt inhabergeführter Praxen.

Fest steht: Es besteht politischer Handlungsbedarf, die Therapieberufe müssen weiterentwickelt werden. Der SHV hat sein Konzeptpapier dafür vorgelegt und nun ist die Politik am Zug.