Gesundheitskompetenz – KI als Gamechanger?!: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit diskutiert Einsatz von KI Bereich Gesundheitssektor
„Gesundheitskompetenz – KI als Gamechanger?!“ lautete das Thema einer Tagung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in diesem Herbst, bei der diskutiert wurde, ob und wie KI die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung nachhaltig verbessern kann, welche technischen Möglichkeiten es bereits gibt und auf welche Entwicklungen wir uns einstellen müssen. Auch die Frage, wie die Qualität von KI-generierten Gesundheitsinformationen sichergestellt werden kann, stand auf der Agenda.
Für den SHV nahmen Ivana Jähn (Bundesverband Podologie) und Ute Repschläger (IFK) an der Veranstaltung teil.
Nicht zuletzt durch das Aufkommen von ChatGPT und der Nutzung von KI innerhalb der Suchmaschinen von Google und Co. nutzen und vertrauen immer mehr Menschen auf die Informationen von KI-Systemen – auch in Bezug auf Gesundheitsinformationen. Die Sorge ist, dass dadurch das Risiko von Fehlinformationen und Gesundheitsinformationen ohne Evidenzgrundlage steigt; klassische Gesundheitsportale verlieren an Bedeutung und Reichweite.
In den Grußworten von Staatssekretär Christian Luft (BMG) und Dr. Johannes Nießen (komm. Leiter BIÖG) wurde auf der Tagung deutlich: Der Staat trägt eine besondere Verantwortung, verlässliche, gut verständliche und evidenzbasierte Gesundheitsinformationen auch im digitalen Raum zur Verfügung zu stellen. KI könne hier unterstützen – aber nur, wenn Qualität, Transparenz und Gemeinwohlorientierung Leitprinzipien seien.
Im Laufe des Tages wurde in verschiedenen Vorträgen erkennbar, wie KI-gestützte Systeme die öffentliche Gesundheitskommunikation verändern. Sie können komplexe Inhalte verständlicher machen, personalisierte Unterstützung bieten und redaktionelle Prozesse effizienter gestalten. Gleichzeitig bestehen aber auch neue Risiken: intransparente Modelle, Qualitätsverluste und ein möglicher Kontrollverlust über die Darstellung von Inhalten. Auch Risiken durch Fehlinformationen, Missverständnisse, falsche Nutzung oder Überschätzung der KI-Kompetenz sind zu beachten.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion „Gesundheitskompetenz — KI als Gamechanger: Was bringt die Zukunft?“ diskutierten Vertreter aus Forschung und Praxis anhand zweier Leitfragen: Was heißt das für Praxis und Forschung? Und was heißt das für die gesundheitliche Versorgung?
Ein Grundtenor des Podiums war, dass KI ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sein kann – wenn sie in transparente, evidenzbasierte und menschenzentrierte Strukturen eingebettet ist. Momentan ist KI weder Allheilmittel noch reine Gefahr. Sie ist ein machtvolles Werkzeug, das Informationszugänge erleichtern, Gesundheitskompetenz unterstützen, aber auch Ungleichheiten verstärken und Vertrauen untergraben kann. Entscheidend ist, wie KI entwickelt, reguliert und in bestehende Strukturen integriert wird.
Damit KI tatsächlich zum Gamechanger für Gesundheitskompetenz werden kann, braucht es standardisierte, interoperable Daten, klare Qualitäts- und Transparenzstandards, gemeinwohlorientierte Governance, eine Stärkung der (digitalen) Gesundheitskompetenz in allen Bevölkerungsgruppen und einen deutlichen politischen Umsetzungswillen. Nur unter diesen Bedingungen kann KI tatsächlich zum Gamechanger für Gesundheitskompetenz werden – im Sinne der öffentlichen Gesundheit und der Menschen, die auf verlässliche Informationen angewiesen sind.
