Archiv der Kategorie: Mitteilungen

„Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Kassen-Patienten und Privatpatienten, zwar nicht in der Qualität der einzelnen Therapien, aber z. B. bei der gesetzlichen Zuzahlung zu den Behandlungskosten, die nur für GKV-Patienten gilt!“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelerbringer. Konkret geht es um die Zuzahlung nach § 61 Satz 3 SGB V. Sie beträgt 10,00 € pro Verordnungsvordruck zzgl. 10 Prozent der Behandlungskosten und muss von den Behandlern im Heilmittelbereich bei den Patienten eingezogen und an die zuständige Krankenkasse abgeführt werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Bei einem durchschnittlichen physiotherapeutischen Rezeptwert (in 2016) von 174 € liegt die durchschnittliche Zuzahlung somit bei 27,40 €/Verordnung. Diese Zuzahlungspflicht trifft ausschließlich die Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung und wird – anders als in der privaten Krankenversicherung – nicht mit einem Beitragsrabatt belohnt. Ein klarer Nachteil für Kassenpatienten. Hier macht eine Änderung wirklich Sinn.

Weitere Unterschiede gibt es hinsichtlich des Umfangs der Versorgung mit Heilmitteln. Während Ärzte bei Kassenpatienten bei der Verordnung von Heilmitteln immer auch die durch ihre KV festgesetzten Richtgrößen einhalten müssen, entscheidet der Arzt beim Privatpatienten frei von wirtschaftlichen Zwängen darüber, welche Therapie die sinnvollste für den Patienten ist.

„Wer also Unterschiede zwischen gesetzlich bzw. privat Krankenversicherten beseitigen will, sollte hier anfangen. Denn den Wegfall der Zuzahlung bzw. Budgetierung spürt der gesetzlich versicherte Patient sofort und fühlbar“, fordert Ute Repschläger und betont einen weiteren Vorteil: Der bürokratische Aufwand, der für die Praxen mit der Einziehung der Zuzahlung verbunden ist, fordert viel Zeit, die besser für die Therapie der Patienten verwandt wird. So können Wartezeiten verkürzt werden. Genau das war auch der Grund, warum im Jahr 2013 die so genannte Praxisgebühr in den Arztpraxen abgeschafft wurde. Stichwort: Bürokratieabbau.

Der SHV begrüßt die Eckpunkte im Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD – positive Akzente zur Sicherung der Heilmittelversorgung in Deutschland erkennbar!

Aus Sicht des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) zeigen die Ergebnisse der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD, dass die (möglichen) Koalitionspartner bereit sind, die Probleme in der Gesundheitsversorgung tatkräftig anzupacken.

 

Wichtig für die Heilmittelerbringer und die therapeutische Patientenversorgung ist neben der Schulgeldfreiheit, die nun erstmals als Teil einer Ausbildungsoffensive in einem „Koalitionsvertrag“ festgezurrt werden soll, das Ziel, über bessere Rahmenbedingungen Fachkräfte in die therapeutischen Einrichtungen zurückzuholen.

Außerdem ist das klare Bekenntnis der Parteien zu mehr Vernetzung und einer flächendeckenden medizinischen und pflegerischen Versorgung auch für Heilmittelerbringer wie beispielsweise Ergotherapeuten, Masseure, Physiotherapeuten und Podologen wichtig. So kann die Patientenversorgung unabhängig vom Wohnort nachhaltig im Rahmen einer sektorenübergreifenden Versorgung vorangebracht werden.

Der SHV wird in den anstehenden Koalitionsverhandlungen darauf drängen, dass der Koalitionsvertrag zu diesen Stichworten klare Arbeitsaufträge enthält und darüber hinaus auch überholte Beschränkungen in der Berufsausübung der Heilmittelerbringer auf den Prüfstand kommen. „Wir werden weiter mit konkreten Vorschlägen wie beispielsweise dem Direktzugang für Patienten zum Heilmittelerbringer auf die Parteien zugehen und den Mehrwert darstellen“, so Ute Repschläger, Vorsitzende des SHV. Ebenso bedarf es klarer Aussagen zur Modernisierung der Ausbildung einschließlich des Zugangs zur hochschulischen Ausbildung, um so auch den Heilmittelerbringern den längst überfälligen Zugang zu Wissenschaft und Forschung zu eröffnen.

Der SHV begrüßt außerdem, dass sich die Koalition dazu bekennt, Personaluntergrenzen für alle bettenführenden Abteilungen in Krankenhäusern einzuführen. „Wir gehen davon aus, dass eine entsprechende Maßnahme auch im Heilmittelbereich greift und damit der therapeutischen Qualitätssicherung im stationären ebenso wie im nachgelagerten ambulanten Bereich dient.“, betont Ute Repschläger, Vorsitzende des SHV. Eine entsprechende Festlegung im Koalitionsvertrag ist wichtig, damit der Handlungsauftrag allen Beteiligten klar ist.

Alle Vertreter der Gesundheitsberufe warten darauf, dass die Gesprächspartner in den Fraktionen und Ministerien nun zügig gewählt und benannt werden: Der Gesprächsbedarf wächst mit jedem Tag. Konkrete Lösungen sind für die Sicherung der Patientenversorgung überfällig.

Etwa 1,9 Millionen Beamte werden von dem Entwurf einer Rechtsverordnung des Bundesinnenministeriums (BMI) mit Anpassungen im Bereich der Beihilfe profitieren. Aktuell befindet sich der Referentenentwurf im Anhörungsverfahren. Neben Verbesserungen in der
therapeutischen Versorgung, gibt es aber auch noch Nachbesserungsbedarf.

 

Die Fakten: Höchst positiv ist, dass der Referentenentwurf eine zweistufige Erhöhung der beihilfefähigen Höchstbeträge von ca. 20 Prozent in der ersten Stufe und weiteren ca. 10 Prozent in der zweiten Stufe vorsieht. In der Summe steigen die erstattungsfähigen Höchstbeträge damit um rund 32 Prozent. „Im Sinne unserer Patienten, begrüßen wir diese Entwicklung sehr“, betont Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV).

Neben der Anpassung der Höchstbeträge wird es positive Anpassungen in den Leistungsverzeichnissen geben. Bei der Ergotherapie erfolgte die Aufnahme der Beratungsleistungen und der Belastungserprobung, so wie es die Leistungsbeschreibung Ergotherapie für die Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch vorsieht. Im Bereich der Physiotherapie gibt es zukünftig neu eine Befundposition und eine Position Palliativ Care. Für die Podologie sind sogar fünf Leistungspositionen zur Nagelspangenbehandlung mit drei verschiedenen Spangenarten neu hinzugekommen – eine Domäne der podologischen Therapie.

Allerdings bedarf es noch einer Korrektur: Denn der Referentenentwurf legt den Richtwert  für die krankengymnastische Einzelbehandlung neu mit 30 Minuten fest. Der bisherige rstattungssatz von 19,50 Euro wurde zwar wie alle anderen Positionen ebenfalls linear erhöht, nicht aber an den neuen zeitlichen Richtwert angepasst. Der Erstattungssatz läge damit – sicher ungewollt – unter den Sätzen der GKV.

Als mögliche Lösung kommt eine entsprechende Anpassung des beihilfefähigen Höchstbetrags oder eine Absenkung des zeitlichen Richtwerts für die Behandlung in Betracht. Letzteres läge allerdings nicht im Interesse der Patienten, die bei dem zeitlichen Richtwert von 30 Minuten eine bestmögliche Therapie erhalten können.

Wichtige Hintergrundinformationen zur Beihilfe: Die beihilfefähigen Höchstsätze für Beamte sind keine „Gebührenordnung“, nach der Heilmittelerbringer abrechnen müssen. Die ortsüblichen Gebühren für Heilmittelleistungen für Privatpatienten liegen in der Regel deutlich höher. Der beihilfefähige Höchstbetrag gilt ausdrücklich als nur teilweise Erstattung der Heilmittelrechnungen. Basis für die Abrechnung der Heilmitteltherapie mit Privatpatienten sollte deshalb, um alle Zweifel auszuschließen, stets eine zwischen Heilmittelerbringer und Privatpatienten getroffene Honorarvereinbarung sein, in der auf der Basis der ärztlichen Verordnung Vergütung und Art der Therapie dokumentiert werden.

Schnellere therapeutische Versorgung, zufriedenere Patienten und geringere Kosten – das wäre möglich durch den direkten Zugang der Patienten zu Heilmittelerbringern.

 

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) fordert von der Politik die Einführung des Direktzugangs für Patienten zum Therapeuten.

„Es ist Zeit, dass eine effektive und sichere Versorgungsform wie der Direktzugang den Patienten auch in Deutschland zu Gute kommt“, betont Karl-Heinz Kellermann, stellvertretender Vorsitzender des SHV, das Potenzial des Direktzugangs. Durch den Direktzugang ergeben sich Vorteile für Patienten, Ärzte und für das Gesundheitssystem.

Es ist wissenschaftlich bewiesen: Der direkte Zugang des Patienten zum Therapeuten erhöht die Qualität der Versorgung und senkt gleichzeitig die Kosten. Darüber hinaus ermöglicht der Direktzugang eine neue und auf die Zukunft ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten. In anderen europäischen Ländern ist dies längst bewährte Praxis. In Deutschland scheitert es bislang noch an fehlenden rechtlichen Rahmenbedingungen und am unbegründeten Widerstand der Ärzteschaft.

Internationale Studien haben gezeigt: Mit dem Direktzugang startet die Behandlung schneller, es sind meist weniger Therapien erforderlich und die Patientenzufriedenheit ist hoch. Von den positiven Auswirkungen profitieren auch die Krankenkassen.

„Der Weg zum Direktzugang könnte kurz sein. Die Politik ist am Zug. Eine Anpassung der Berufsausbildungsgesetze bringt Rechtssicherheit für Therapeuten und ein neues, international bewährtes Versorgungsangebot für Patienten“, erklärt Karl-Heinz Kellermann.

Rückenwind für den Direktzugang gibt es auch aus den Bundesländern: Die Gesundheitsminister der Länder unterstützen geschlossen die Forderung nach Modellvorhaben zum Direktzugang. Den Entscheidern in Berlin fehlte in der vergangenen Legislaturperiode am Ende der Mut. Verabschiedet wurde ein Gesetz, das nur Modellvorhaben zur Blankoverordnung gestattet. Diese ersparen den Patienten aber nicht den Gang zum Arzt. Erst nach der ärztlichen Diagnose und auf der Basis einer Blankoverordnung, können Heilmittelerbringer über Frequenz, Dauer und Anzahl der Behandlungen freier entscheiden als bislang. Die Blankoverordnung bleibt damit weit hinter den Möglichkeiten des Direktzugangs zurück. Deshalb fordert der SHV in dieser Legislaturperiode von der Politik mehr Mut und eine zügige Anpassung der Berufsgesetze im Sinne der Patienten und der Therapeuten.

„Wir Therapeuten kennen unsere eigenen Grenzen bei der Analyse von Untersuchungsergebnissen und können daher auch feststellen, ob eine weitere ärztliche Untersuchung im Sinne der Patientensicherheit und einer interprofessionellen Zusammenarbeit nach wie vor unverzichtbar ist“, ergänzt Karl-Heinz Kellermann.

Am 21. September 2017 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Änderungen der Heilmittel-Richtlinie beschlossen. Am 23. November erfolgte die Veröffentlichung des Beschlusses im Bundesanzeiger. Die Änderungen treten zum 01. Januar 2018 in Kraft. Die Beschlüsse und Änderungen sind nun auch online verfügbar – klicken Sie hier, um direkt zur Seite des G-BA zu gelangen.

 

Vorschläge des SHV aufgegriffen

Der SHV hatte den G-BA darauf hingewiesen, dass die Diagnose Torticollis Spasticus nur dann von den Krankenkassen als längerfristiger Heilmittelbedarf anerkannt wird, wenn der Arzt den Diagnoseschlüssel WS2 auf die Verordnung aufträgt. Damit scheidet aber eine Behandlung dieser Patienten im Rahmen der KG-ZNS aus. Damit diese Patienten weiter mit KG-ZNS behandelt werden können, bedarf es in der Anlage 2 der Heilmittelrichtlinie (Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf nach § 32 Abs. 1a SGB V) einer Korrektur. 

Erfreulich: Der G-BA ist mit seinem Beschluss den Empfehlungen des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) zur Therapie des Torticollis Spasticus vollumfänglich gefolgt. Hier der Auszug aus dem Beschlusstext zu den einzelnen Punkten:

Unter dem ICD-10 Code G24.3 Torticollis spasticus wird die Diagnosegruppe WS2 gestrichen und durch die Diagnosegruppen ZN1 und ZN2 ersetzt. Mit dieser Korrektur wird Hinweisen aus der Versorgung nachgekommen. Bei dem Torticollis spasticus (zervikale Dystonie) handelt es sich um eine neurologisch bedingte Fehlhaltung des Halses, welche auch bei unter 18-Jährigen auftritt. Diese wird mittels KG-ZNS bzw. KG-ZNS Kinder und mit Wärmetherapie/Kältetherapie behandelt, wodurch der Muskeltonus reguliert und vorhandenen Spastiken entgegengewirkt wird. Die Anlage 2 HeilM-RL nahm bislang jedoch fälschlicherweise auf Wirbelsäulenerkrankungen Bezug, sodass die tatsächlich benötigten Formen der Krankengymnastik nicht ohne Weiteres als langfristiger Heilmittelbedarf qualifiziert wurden.

Für die Ergotherapie betrifft die Änderung ausschließlich die Erkrankung der systemischen Sklerose. Im aktuellen HM-Katalog wurde die systemische Sklerose den Indikationsschlüsseln SB1 und SB5 zugeordnet. Da SB1 ausschließlich Wirbelsäulenerkrankungen betrifft, dagegen aber die SB7 mit der Diagnosegruppe „Gefäß-, Muskel-, Bindegewebe“ auf die systemische Sklerose passt, hat der DVE um eine entsprechenden Anpassung gebeten, der jetzt mit der Änderung durch den G-BA entsprochen wurde. Ab sofort wird die systemische Sklerose den Indikationsschlüsseln SB5 und SB7 zugeordnet, dies betrifft auch die Zuordnung in der Diagnoseliste des langfristigen Heilmittelbedarfs für die ICD-10 M34.0 und M34.1.

Die Heilmittelberufe begrüßen die gemeinsame Überzeugung der Sondierungspartner, dass die flächendeckende qualitätsorientierte medizinische Versorgung ein zentrales Thema der Gesundheitspolitik ist und bleibt. Zentrales Thema ist daher auch  die Fachkräftesicherung im interprofessionellen Gesundheitswesen. Dies gilt gleichermaßen für die Pflege wie für die Heilmittelerbringung, insbesondere die flächendeckende Versorgung im ländlichen Raum.

Wir rufen deshalb die Jamaika-Runde auf, in den weiteren Gesprächen Festlegungen – und damit Arbeitsaufträge – insbesondere auch zu den folgenden Themen im Heilmittelbereich zu treffen:

  1. Die Novellierung der Berufsausbildungsgesetze hat erste Priorität. Denn:
  • In der Berufsausbildung werden die Weichen für die Behandlungsqualität
  • Ohne eine deutliche Steigerung der Ausbildungszahlen lässt sich eine flächendeckende Versorgung auch mit Heilmitteln auf Dauer nicht sicherstellen.
  • Nur eine attraktive Ausbildungssituation, die die Akademisierung einschließt, macht den Beruf zukunftssicher und damit attraktiv für kompetenten Nachwuchs.
  • Die Ausbildung in den Heilmittelberufen muss kostenlos angeboten werden.
  1. Ko-operative Therapiemodelle
  • Eine echte patientengerechte Versorgung ist gekennzeichnet durch die gemeinsame interprofessionelle Betreuung eines individuellen Patienten.  Hierzu bedarf es gesetzlicher Vorgaben, die Delegation und Substitution neu definieren. Dabei darf nicht die unterschiedliche Ausbildung im Vordergrund stehen, sondern der Grad der Spezialisierung in der gegebenen Situation.
  • Teil dieser Neuordnung ist im Interesse der Patienten auch der Direktzugang sowie die Einbindung der Heilmittelpraxen in die Telematikinfrastruktur (§ 291 a SGB V).
  1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  • Die Arbeitsbedingungen im Heilmittelbereich können nur dann spürbar verbessert werden, wenn auch – über die Maßnahmen des HHVG hinaus – die Frage der Vergütung diskutiert und einer befriedigenden Lösung zugeführt wird. Nur so kann die Personalausstattung im ambulanten und stationären Bereich spürbar verbessert werden.

In diesem Sinne hoffen und erwarten die Tätigen im Heilmittelbereich, dass die Jamaika-Runde die Sondierungsgespräche zum Thema Gesundheit mit entsprechenden Festlegungen abschließt.

Die Akademisierung der Therapieberufe dient der Sicherung der Patientenversorgung – jetzt handeln!

Die Zahl an chronisch kranken und multimorbiden Patienten steigt stark. Die Behandlungen werden komplexer, das stellt auch Therapeuten vor neue Herausforderungen. Um diesen gerecht zu werden, fordert der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) den systematischen Ausbau von primärqualifizierenden Studiengängen für Therapieberufe, wie z.B. Ergotherapie, Physiotherapie oder Podologie. Außerdem muss die Politik in der neuen Legislaturperiode endlich die Modellphase für primärqualifizierende Studiengänge entfristen und damit die Zukunftsperspektive der Therapieberufe verbessern.

Therapieberufe brauchen Wissenschaft und Forschung. Denn: Die hochschulische Ausbildung und fachliche Profilierung erweitert die therapeutischen Kompetenzen und ist ein wichtiger Schritt zur  Professionalisierung des Berufsstandes. „Uns geht es um die zukünftige Patientenversorgung“, erklärt Arnd Longrée, stellvertretender Vorsitzender des SHV. Therapeutische Forschung liefert wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die effektive und zugleich kostensenkende Veränderungen und Neuerungen bewirken können. Das kommt den Patienten und dem Gesundheitswesen zugute.

„Aufgrund des heute schon bestehenden Fachkräftemangels können und müssen die Therapieberufe für den Nachwuchs zukunftsorientiert gestaltet werden. Die hochschulische Ausbildung steigert die Anziehungskraft der Berufe, vorausgesetzt die Entwicklungs- und Einkommenschancen sind ebenfalls attraktiv. Hier sind Staat und Hochschulen gefordert, die Studienangebote für etablierte und gesundheitspolitisch notwendige Berufe auszubauen,“ erläutert Arnd Longrée. „Zur Logik eines wirklichen Einstiegs in die Akademisierung gehört in einem ersten Schritt der Wegfall des Modellstatus der primärqualifizierenden Studiengänge. Hierzu gehört die rechtliche Einordnung in die Berufsgesetze, die die Rahmenbedingungen eines Studiums ermöglicht. Darauf aufbauend brauchen wir mehr Mut in der Schaffung von Studienplätzen, aber auch die Eröffnung von Masterstudiengängen bis hin zur Promotion in den einzelnen Therapiedisziplinen. So schaffen wir den Rahmen für Wissenschaft und Forschung, die dann wiederum eine Verbesserung der Patientenversorgung leisten wird.“

Im Zuge der Vorbereitung von Sondierungsgesprächen zwischen den möglichen Koalitionsparteien CDU/CSU und FDP lud die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen wichtige Akteure der Pflege- und Gesundheitsfachberufe zu Gesprächen ein. Im Rahmen der Reihe „Gemeinsam auf den Weg machen“ vertrat Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV), die gemeinsamen Positionen der Physiotherapie, Ergotherapie sowie Podologie.

Ziel des Austauschs war die Analyse der aktuellen Herausforderungen bei der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung der Menschen. Neben Mitgliedern der Bundestagsfraktion der Grünen nahmen Vertreter von Gewerkschaften, der Verbraucherzentrale Bundesverband und der BAG SELBSTHILFE an dem Dialog teil.

Ute Repschläger thematisierte die Kernforderungen des SHV, die derzeit im Rahmen der aktuell angelaufenen Kampagne gegenüber Politik, Krankenkassen und Öffentlichkeit publik gemacht werden: Im Fokus stehen eine schulgeldfreie Ausbildung, der Direktzugang sowie der systematische Ausbau von primärqualifizierenden Studiengängen der Therapieberufe und die Überführung der Modellstudiengänge in den Regelbetrieb.

Ganz im Sinne des SHV sind die Signale, die während des Gesprächs aus der Politik gesendet wurden: Die grünen Gesundheitspolitikerinnen Maria Klein-Schmeink und Kordula Schulz-Asche hoben hervor, dass die Arbeitsbedingungen für die Pflege- und Gesundheitsfachberufe eine wichtige Rolle bei den anstehenden Gesprächen mit den möglichen Koalitionspartnern spielen werden. Ebenso müsse es Ziel sein, diese Berufe attraktiver zu gestalten, um eine gute Versorgung der Menschen zu gewährleisten.

Ute Repschläger (li.) vertrat die Positionen des SHV bei den Stakeholdergesprächen.

Therapie der Patienten sichern und den Fachkräftemangel bekämpfen – jetzt handeln!

 

Fachkräftemangel ist auch eine Frage des Geldes schon während der Ausbildung. Würden Sie bis zu 20.000 Euro in drei Jahren für Ihre Ausbildung bezahlen? Der überwiegende Teil der angehenden Therapeuten muss das tun. Ein wichtiger Schritt zur Sicherung der therapeutischen Patientenversorgung ist deshalb eine kostenfreie Ausbildung für Therapieberufe. Dieser politische Schritt ist längst überfällig.

Alle großen Parteien haben die kostenfreie Ausbildung für Therapieberufe vor der Bundestagswahl auf ihre politische Agenda gesetzt. Die Politik hat damit erkannt, dass die Therapieberufe genauso wie die Pflegeberufe zum Wohle der Patienten wertgeschätzt werden müssen – dazu gehört zuallererst eine kostenlose Ausbildung. „Dieses Wahlversprechen muss sich nun im Koalitionsvertrag wiederfinden und dann auch umgesetzt werden. Denn: Es kann nicht länger sein, dass die Rahmenbedingungen viele junge Menschen davon abhalten, einen therapeutischen Beruf zu erlernen. Viele können es sich schlicht nicht leisten“, erklärt Andrea Rädlein, stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV).

Dabei leisten Therapeuten wichtige Arbeit: Heilmittel sind für viele Menschen unverzichtbar und lebenswichtig – Therapeuten erhalten Arbeitsfähigkeit, verhindern Pflegebedürftigkeit, lindern Schmerzen und verbessern die Lebensqualität von vielen Menschen in Deutschland. Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Podologen und weitere Heilmittelerbringer helfen Patienten und Angehörigen mit viel Engagement und Leidenschaft in schwierigen Situationen. „Jetzt muss die Politik den Therapeuten helfen“ betont Andrea Rädlein.

Die Fakten:

  • Die Ausbildungszahlen sinken nachweislich. Das bestätigt das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB).
  • Der Fachkräftemangel ist in praktisch allen Bundesländern amtlich. Die Bundesanstalt für Arbeit hat Mitte Juni aktuelle Zahlen dazu veröffentlicht.
  • Der Bedarf an Therapie steigt. Durch die demografische Entwicklung brauchen wir mehr Therapeuten um die flächendeckende und wohnortnahe Patientenversorgung sicherzustellen.

Therapeutische Leistungen dürfen nicht nur wertgeschätzt werden. Sie sind auch eine Frage der Vergütung.

Die aktuelle Fachkräfteanalyse der Bundesagentur für Arbeit bestätigt es: Physiotherapie ist, wie andere Gesundheitsberufe auch, ein Mangelberuf in Deutschland. Die Folge: Der zunehmende Fachkräftemangel belastet bundesweit Patienten und Therapeuten. Das gilt auch für die Ergotherapie und Podologie. Deshalb bewegt der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) mit einer bundesweiten Aktion alle zu handeln – die Politik, die Krankenkassen und die Öffentlichkeit!

Ergo- und Physiotherapeuten, Podologen sowie Masseure und medizinische Bademeister verhelfen Patienten mit ihrer Arbeit zu mehr Lebensqualität und Teilhabe am Alltag. Doch immer weniger Schulabgänger wollen diese gesellschaftlich wichtigen Berufe ergreifen. Rückgänge der Bewerbungen an den Ausbildungseinrichtungen von einem Drittel sind eher die Regel als die Ausnahme. Grund dafür ist in erster Linie die Vergütung: Heilmittelerbringer gehören zu den am geringsten vergüteten Berufen in Deutschland.

Den rückläufigen Ausbildungszahlen steht ein steigender Bedarf an therapeutischen Maßnahmen für die immer älter werdende Gesellschaft gegenüber. Der daraus resultierende Fachkräftemangel gefährdet die therapeutische Patientenversorgung. Der SHV fordert daher eine dauerhafte finanzielle Aufwertung der Therapieberufe.

Tatsache ist: Die Therapieberufe müssen attraktiver werden, um die Patientenversorgung zu sichern und den Rückgang an dringend benötigtem Nachwuchs zu stoppen. Deshalb greift der Spitzenverband der Heilmittelverbände neben der Vergütung die Themen Ausbildungskostenfreiheit, Direktzugang und Akademisierung in seiner bundesweiten Aktion auf. „Wir zeigen der Politik, den Krankenkassen und der Öffentlichkeit, dass Heilmittel unverzichtbar sind und die Situation der Therapeuten in Deutschland verbessert werden muss“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände zum Auftakt der Aktionsphase.