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Im Rahmen seiner Kampagne zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat der Spitzenverband der Heilmittelverbände e.V. (SHV) das Gespräch mit Linus Görg, gesundheitspolitischem Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, gesucht.

Für den SHV erläuterte Christian Schneider, Landesgeschäftsführer VPT Nord-West, die zentralen Kritikpunkte und den aus Sicht der Heilmittelbranche notwendigen Korrekturbedarf am Gesetzentwurf. Im Mittelpunkt standen einmal mehr die vorgesehenen Maßnahmen im Heilmittelbereich – darunter die Vergütungskürzung durch die Bindung an die Grundlohnsumme mit Sonderabschlag, die Abschaffung der Blankoverordnungspauschale sowie die Erhöhung der Zuzahlung. Aus Sicht des SHV treffen diese Regelungen ausgerechnet einen Versorgungsbereich, der bereits heute unter erheblichem Fachkräftemangel, wirtschaftlichem Druck und eingeschränkten Versorgungskapazitäten leidet.

Linus Görg würdigte im Gespräch die sachorientierte und fundierte Positionierung des SHV und stellte fest: „Auch wenn der finanzielle Druck im System hoch ist: Wer an der Physiotherapie spart, spart an der falschen Stelle. Physiotherapeut*innen verhindern Folgeschäden, unterstützen die Rehabilitation und vermeiden Krankenhausaufenthalte und Pflegebedürftigkeit. Doch der Referentenentwurf zur GKV-Stabilisierung droht genau das zu gefährden: Die geplante Grundlohnsummenbindung entkoppelt die Vergütung von den realen Kosten der Praxen, und die Einschränkungen bei der Blankoverordnung bedeuten mehr Verantwortung ohne ausreichende Refinanzierung. Kurzfristige Einsparungen führen hier langfristig zu höheren Folgekosten. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz muss an dieser Stelle dringend nachgebessert werden.“

Im Gespräch äußerte Görg Kritik an der Unausgewogenheit des Gesetzentwurfs. Insbesondere bemängelte er die fehlenden Ausgleichsmechanismen im ambulanten Bereich, das Ausbleiben echter Strukturreformen sowie die weiterhin unzureichende Lösung betreffend der versicherungsfremden Leistungen. Zudem äußerte er die Bereitschaft, die vom SHV vorgetragenen Positionen bei den weiteren Beratungen auf Landes- und Bundesebene zu berücksichtigen. Auch der Sachstand im Beratungsverfahren der Bundesländer sowie die Positionierung Hamburgs sollen, soweit möglich, weiter eruiert werden.

Mit den politischen Gesprächen auf Landesebene setzt der SHV seine Kampagne fort, um auf die gravierenden Folgen des Gesetzentwurfs für die Heilmittelversorgung aufmerksam zu machen und notwendige Korrekturen einzufordern.

Die SHV-Mitgliedsverbände suchen weiterhin intensiv den politischen Dialog zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG). Per Videokonferenz traf sich Christian Schneider (Landesgeschäftsführer VPT Nord-West) stellvertretend für alle Heilmittelerbringer mit dem Arbeitskreis Gesundheit der CDU-Landtagsfraktion.

Der SHV positionierte sich unmissverständlich und erteilte vor allem der Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung (GLS) eine klare Absage. Neben der erneuten GLS-Anbindung plant der Bund einen zusätzlichen Vergütungsabschlag von einem Prozent in den Jahren 2027-2029. Durch die Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung mit dem Sonderabschlag wird eine wirtschatliche Praxisführung erschwert.

„Der intensive und sehr konstruktive Austausch hat gezeigt, dass die Landespolitik die Brisanz unserer Lage genau versteht. Wir stoßen mit unseren Argumenten auf offene Ohren und spüren echten Rückhalt für die Belange der Praxisinhaber“, resümiert Christian Schneider den Termin.

Zuvor machten die Vertreter der Heilmittelerbringer deutlich, welche fatalen Folgen drohen: Die GLS-Bindung hat über Jahrzehnte zu struktureller Unterfinanzierung geführt und den Fachkräftemangel massiv verschärft – ein Negativtrend, der erst durch politische Nachbesserungen (HHVG, TSVG) mühsam gestoppt wurde. Restriktive Maßnahmen, wie auch die Streichung der Blanko-Pauschale, drehen dieses Rad nun zurück.

Die Rechnung dafür zahlen nicht nur die Praxen. Wer Versorgungslücken bei Heilmitteln riskiert, treibt unweigerlich die Folgekosten in Notaufnahmen, Facharztpraxen, in der Pflege oder durch Frühberentungen in die Höhe. In der Finanzwirkungsrechnung der Politik tauchen diese Kostenfallen jedoch nicht auf.

Die Argumente überzeugten: Eike Holsten, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sicherte zu, die Kritik und die zentralen Forderungen des SHV auf Bundesebene zu platzieren.

Der SHV bedankt sich bei Eike Holsten und dem Arbeitskreis für das zielführende Gespräch und den gemeinsamen Einsatz für eine starke Heilmittelversorgung.

Christian Schneider, Landesgeschäftsführer VPT Nord-West, traf Rainer Bensch – gesundheitspolitischer Sprecher der CDU in der Bremischen Bürgerschaft.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände e. V. (SHV) bewertet den Entwurf für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz als erheblichen Rückschritt für die ambulante Heilmittelversorgung. Um auf die Folgen und notwendige Korrekturen aufmerksam zu machen, führen SHV und Mitgliedsverbände derzeit zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern – auch auf Landesebene.

Im persönlichen Austausch in der Bremischen Bürgerschaft skizzierte Schneider die zentralen Kritikpunkte des SHV. Im Fokus: die Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung. „Sie ist das falsche Instrument, weil sie in der Vergangenheit systematische Unterfinanzierung produziert hat.“ Verschärfend wirkt die geplante Kürzung der Grundlohnsummen-Rate um ein weiteres Prozent in den Jahren 2027 bis 2029 – mit basiswirksamen Negativauswirkungen für die Folgejahre. Statt Kürzungen brauche es eine Stärkung der Heilmittelbranche, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Patientenversorgung zu sichern. Die realen Praxiskosten müssten refinanziert werden – ohne pauschale Deckelung.

Rainer Bensch positionierte sich deutlich. Was Bensch am Beispiel der Physiotherapie ausführt, gilt gleichermaßen für alle Heilmittelerbringer

„Wer Gesundheitsversorgung sichern will, darf ambulante Leistungserbringer nicht permanent ausbremsen. Die ambulante Physiotherapie übernimmt immer mehr Verantwortung – und dies bei Fachkräftemangel, steigender Bürokratie und wachsendem Versorgungsdruck. Gleichzeitig erleben viele Praxen Reformen nicht als Stärkung, sondern als zusätzliche Belastung. Gerade beim GKV-Beitragsstabilitätsgesetz stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie sollen Leistungserbringer Versorgung sichern, wenn die politischen Rahmenbedingungen die strukturellen und wirtschaftlichen Unsicherheiten verstärken? Unser gemeinsamer Anspruch muss sein: Die Reformen so umsetzen, dass die Praxen handlungsfähig bleiben – und nicht durch neue Hürden geschwächt werden.“

Benschs klares Fazit: „Eine gute Gesundheitsversorgung erreichen wir nicht durch Misstrauen und ungerechte Kürzungen bei den Leistungserbringern, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen.“

Der SHV bedankt sich bei Rainer Bensch für die Einladung in die Bremische Bürgerschaft und den intensiven Austausch zur Heilmittelversorgung.

Die ursprünglich für den 26. Juni vorgesehene 2./3. Lesung zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Deutschen Bundestag wurde verschoben. Für den Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) ist diese Verschiebung ein wichtiges Signal: Die Kritik aus der Heilmittelbranche ist angekommen, der politische Gesprächsbedarf bleibt hoch.

Der SHV und seine Mitgliedsverbände haben in den vergangenen Wochen intensiv auf die Risiken des Gesetzentwurfs hingewiesen. In Stellungnahmen, Gesprächen mit Abgeordneten, direkten Kontakten in den Wahlkreisen sowie im Austausch mit politischen Entscheidungsträgern wurde deutlich gemacht, welche Folgen die geplanten Regelungen für die Heilmittelversorgung haben können.

Im Mittelpunkt der Kritik stehen insbesondere die vorgesehenen Begrenzungen bei der Vergütungsentwicklung. Aus Sicht des SHV gefährden diese die wirtschaftliche Stabilität der Praxen, erschweren die Fachkräftesicherung und setzen die Versorgung der Patientinnen und Patienten zusätzlich unter Druck. Eine hochwertige, wohnortnahe Heilmittelversorgung braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine Vergütung, die steigende Kosten und tatsächliche Versorgungsbedarfe angemessen berücksichtigt.

Die Verschiebung der Lesung bedeutet daher keinen Stillstand. Im Gegenteil: Der SHV nutzt die zusätzliche Zeit, um weiter das Gespräch mit der Politik zu suchen, fachliche Argumente einzubringen und auf notwendige Nachbesserungen am Gesetzentwurf hinzuwirken. Ziel ist es, die berechtigten Anliegen der Heilmittelbranche im weiteren Gesetzgebungsverfahren angemessen zu berücksichtigen und problematische Regelungen zu korrigieren.

Der SHV wird sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Heilmittelversorgung in Deutschland zukunftssicher, leistungsfähig und patientennah gestaltet wird.

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause hat die Bundestagsfraktion der Grünen Vetrtreter*innen aus Politik, Kultur, Verbänden und der Zivilgesellschaft zum beliebten Sommerempfang geladen.

Für den SHV standen Manuela Pintarelli-Rauschenbach (SHV-Vorsitzende) und Corina Glorius (SHV-Politikbeauftragte) auf der Gästeliste, die den bunten Abend nutzten, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen, Kontakte in die Politik zu intensivieren und neue zu knüpfen – zwanglos, da ohne strenge Agenda und Vorgaben, wie bei offiziellen Formaten sonst üblich.

Begrüßt wurden die Gäste, die zahlreich im Zentrum für Kunst und Urbanistik erschienen waren, von den Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann. Lange Reden? Gab es nicht, denn beim Sommerempfang steht der informelle Austausch aller mit allen im Vordergrund.

„Mit der Abgeordneten Simone Fischer konnten wir uns zum dicht getakteten gesundheitspolitischen Fahrplan der kommenden Monate austauschen. Interessante Begegnungen gab es auch mit weiteren Bundestagsmitgliedern, wie Ricarda Lang und Omid Nouripour sowie mit Robert Habeck. Im Gespräch mit BÄK-Präsident Klaus Reinhardt ging es vor allem um fachliche Themen, insbesondere um die Primärversorgung“, freut sich Corina Glorius über die Bilanz des Abends.

Fazit: Ein dichtes Haus, konstruktive Gespräche und neue Anknüpfungspunkte – der SHV bleibt nah an der Politik, auch über die Grenzen des Gesundheitssystems hinaus.

 

Mitte Juni begrüßte IFK-Mitglied Ruud Stefelmanns den Bundestagsabgeordneten für den Kreis Viersen, Dr. Martin Plum (CDU) zu einem intensiven und offenen Austausch in seiner Praxis. Im Gespräch über das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz brachte Stefelmanns seine Sorge über die Auswirkungen auf die Physiotherapie und die Gesundheitsversorgung insgesamt zum Ausdruck. Frei nach dem Gedanken von Taiichi Ohno, einem der Väter des Toyota-Produktionssystems, „Kosten senkt man nicht durch Sparmaßnahmen, sondern indem man Verschwendung eliminiert.” wurde diskutiert, wie das deutsche Gesundheitswese zukunftsfähig werden kann.

Im Gespräch wurde eine Reihe an wichtigen Themen angeschnitten. Ein zentrales Thema war der zunehmende Fachkräftemangel und die Frage, welche Folgen dieser für die zukünftige Versorgung der Patienten haben wird. Auch die Akademisierung der Heilmittelerbringer wurde angesprochen. Dabei betont Stefelmanns, dass eine wissenschaftliche Qualifikation kein Gegensatz zur praktischen Arbeit sei. Vielmehr sei Akademisierung eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Berufsstandes.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der hohe Verwaltungsaufwand, mit dem Heilmittelerbringer täglich konfrontiert sind. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, warum gegen Heilmittelerbringer ein Generalverdacht in Bezug auf die Abrechnung der erbrachten Leistungen bestehe, währen andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen deutlich weniger bürokratische Hürden überwinden müssten.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde die zunehmende Belastung des Berufsstands thematisiert. Physiotherapie würde oftmals nur als Kostenfaktor betrachtet. Tatsächlich handelt es sich bei den Leistungen jedoch um eine Investition in Gesundheit und Lebensqualität. Damit qualifizierte Fachkräfte diese Aufgaben übernehmen können, sind Bürokratieabbau und die Erweiterung der therapeutischen Entscheidungskompetenzen maßgebend.

Bildhaft stellte Stefelmanns dar, dass Physiotherapie keine Tablette sei, die man automatisiert produzieren, importieren oder lagern kann. Physiotherapie ersteht ausschließlich durch die Arbeit von Menschen für Menschen. Jede Investition in die ambulante Physiotherapie investiert wird, stärkt nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern sichert Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.

Im Gespräch schlussfolgerte Stefelmanns, dass die Physiotherapie bereit ist, Verantwortung für die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu übernehmen. Dafür braucht sie jedoch die richtigen Rahmenbedingungen und eine politische Perspektive, die Entwicklung ermöglicht, statt Stillstand zu verwalten.

Dr. Martin Plum nahm sich für das Gespräch viel Zeit, hörte zu, fragte nach und konnte so die Herausforderungen der Heilmittelerbringer aus erster Hand kennenlernen. „Ich hoffe, dass Dr. Plum die Anliegen und Impulse aus diesem Gespräch in die weiteren Diskussionen im Deutschen Bundestag mitnimmt“, so Stefelmanns. 

v. l.: Ruud Stefelmanns, Dr. Martin Plum

Mit dem Kabinettsbeschluss zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist Ende April das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren gestartet. Da der Gesetzentwurf im weiteren Verlauf noch durch den Bundestag geändert werden kann, nutzen der SHV und seine Mitgliedsverbände die aktuelle Phase, um mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern ins Gespräch zu kommen. Ziel ist es, auf die Positionen der Heilmittelerbringer sowie die möglichen Auswirkungen der geplanten Regelungen auf die Patientenversorgung aufmerksam zu machen.

Im Mai fand in der Ergotherapie-Praxis Reichl & Weyrich, Waldkraiburg, ein Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer (CSU) zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz statt. Anhand von Fallbeispielen aus dem Praxisalltag, der Situation auf den Wartelisten und der Bedeutung ergotherapeutischer Versorgung wurde deutlich gemacht, welche Auswirkungen die geplanten Regelungen auf die ambulante Heilmittelversorgung haben können.

Dabei wurde betont, dass die Heilmittelerbringer den Handlungsbedarf zur Stabilisierung der GKV-Finanzen anerkennen. Kritisch gesehen wird jedoch die vorgesehene „doppelte Deckelung“ durch die Grundlohnsummenbindung und den zusätzlichen Abschlag von einem Prozent. Zudem wurde auf den Fachkräftemangel, die schwierige Nachbesetzung offener Stellen sowie die wichtige Rolle der Heilmittelerbringer für Prävention und Versorgung hingewiesen.

Im Verlauf des Gesprächs zeigte Stephan Mayer großes Interesse an den dargestellten Herausforderungen. Zum Abschluss bot er an, Gespräche mit relevanten Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens in Berlin zu unterstützen und entsprechende Kontakte zu vermitteln.

Im Rahmen der SHV-Kampagne zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz führte IFK-Mitglied Ricarda Uhlemeyer in den vergangenen Wochen gleich zwei interessante Gespräche mit Mitgliedern des Deutschen Bundestags.  

Zunächst nahm die Physiotherapeutin Uhlemeyer gemeinsam mit zwei weiteren Vertretern aus Wuppertal und Solingen an einer Videokonferenz mit dem Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt teil. Insbesondere die Themen Fachkräftemangel und dessen drohende Zunahme durch die geplante Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung sowie die angedachte Zuzahlungserhöhung für gesetzliche Versicherte wurden während des Gesprächs ausführlich behandelt. Die Erhöhung auf 15 Euro und die vorgesehene Dynamisierung werden eine enorme finanzielle Belastung für Patienten – insbesondere chronisch Kranke – darstellen und für eine bürokratische Mehrbelastung in den Praxen sorgen. Auch die Akademisierung, Bildungswege, Vergütungen in den verschiedenen Einsatzorten wie Praxis, Krankenhaus oder Reha sowie die Folgen des demografischen Wandels wurden thematisiert.

Am Ende kamen viele Punkte zusammen, denen sich der CDU-Politiker gegenüber sehr offen und interessiert zeigte. Da Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zu einem Landesausschuss in Nordrhein-Westfalen erwartet wurde, nahm Hardt die angesprochenen Themen auf und bat darum, das Positionspapier des SHV zum Gesetzesentwurf persönlich zugesandt zu bekommen.

Neben diesem Termin sprach Ricarda Uhlemeyer mit einem weiteren Bundestagsabgeordneten aus ihrem Wahlkreis: Helge Lindh, MdB/SPD. Die Physiotherapeutin konnte in dem eineinhalbstündigen Gespräch alle Hauptkritikpunkte des SHV anbringen und dem 49-Jährigen einen guten Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Heilmittelberufe vermitteln. Dass sich Lindh, der nicht in der Gesundheitspolitik tätig ist, an einem Freitagnachmittag so viel Zeit für die Themen nahm und Rückfragen stellte, zeigt das große Interesse an den Belangen des Spitzenverbands. Auch er bat im Anschluss um die Zusendung des SHV-Positionspapiers und Hintergrundinformationen.

 

Es war ein „sehr offener Austausch“ mit dem CDU-Landespolitiker Florian Bellaire – so beschreibt Veronika Schindler, Inhaberin einer großen Ergotherapie-Praxis in Karlsruhe, ihr Gespräch mit dem Politiker in ihren Praxisräumen. Die Ergotherapeutin hatte Bellaire eingeladen, um ihn im Rahmen der derzeit laufenden SHV-Kampagne auf die konkreten Folgen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufmerksam zu machen.

Im persönlichen Gespräch vor Ort konnte sie mit ihm über ihre Erfahrungen mit dem Fachkräftemangel sprechen, der seine direkten Auswirkungen auch auf ihre Praxis hat: Aktuell beträgt die Wartezeit auf einen Therapieplatz in ihrer Praxis zwei Jahre bei insgesamt 22 Therapeutinnen. Auch das Thema Vergütung, insbesondere die geplante Wiedereinführung der Grundlohnsummenanbindung, kam in diesem Zusammenhang zur Sprache, denn die erwünschten Einspareffekte drohen den Fachkräftemangel noch weiter zu verstärken und den Druck auf die Praxisinhaber erhöhen.

Auch für die bürokratischen Hindernisse, mit denen Veronika Schindler im beruflichen Alltag zu tun, hatte Bellaire ein offenes Ohr.

Florian Bellaire war sehr an ihren Schilderungen interessiert und wird alle angesprochenen Punkte auch hausintern noch einmal diskutieren, ein Folgetreffen mit einem Kollegen stellte er ebenfalls in Aussicht.

Das Resümee von Veronika Schindler: „Es ist einfach wichtig, jetzt was zu tun, bevor es zu spät ist. Die Anbindung an die Grundlohnsummenbindung z. B. darf nicht kommen.“

Veronika Schindler im Gespräch mit Florian Bellaire (CDU)

Anlässlich der ersten Lesung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes im Deutschen Bundestag warnt der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e.V. eindringlich vor den Auswirkungen der geplanten Regelungen für den Heilmittelbereich.

Der SHV sieht die im Gesetzentwurf vorgesehenen Regelungen für den Heilmittelbereich insbesondere deshalb kritisch, weil sie zurück zu einer strukturellen Unterfinanzierung führen, die bis 2017 bereits schon einmal andauerte. Mittel- bis langfristig wird dieses Gesetz die Versorgung deutlich schwächen, weil der Fachkräftemangel in Folge struktureller Unterfinanzierung wieder zunehmen wird. Die Bundesregierung will die Gesetzliche Krankenversicherung kurzfristig stabilisieren, nimmt damit aber in Kauf, dass von Versorgungssicherheit zukünftig keine Rede mehr sein kann.

Erstens soll die Vergütungsentwicklung künftig wieder an die Grundlohnsumme gekoppelt werden. Die Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung wäre ein drastischer Schritt und würde die durch das Terminservice‑ und Versorgungsgesetz (TSVG) sowie das Heil‑ und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) erzielten wichtigen Schritte zur Attraktivitätssteigerung der Therapieberufe zunichtemachen.

Zweitens ist vorgesehen, über einen Zeitraum von drei Jahren zusätzlich einen Abschlag in Höhe von einem Prozent von der Grundlohnsumme vorzunehmen. Diese zusätzliche Kürzung verschärft die Belastung der Heilmittelerbringer nochmals erheblich.

Drittens sollen bei den Vergütungsverhandlungen weiterhin zusätzlich die gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband vereinbarten Parameter zur Kostenentwicklung – insbesondere Miet-, Sach- und Personalkostensteigerungen – herangezogen werden.

Maßgeblich für die Vergütungsverhandlungen soll künftig der jeweils niedrigere Wert aus Grundlohnsummenentwicklung und Parameterberechnung sein. Nach Auffassung des SHV führt diese Regelung systematisch in allen wirtschaftlichen Szenarien dazu, dass Kostensteigerungen in den Praxen nicht angemessen refinanziert werden können, denn:

  • Bei hoher Inflation und gleichzeitig niedriger Grundlohnsummenentwicklung würden erhebliche Sachkostensteigerungen nicht ausreichend refinanziert.
  • Steigen infolge der Inflation des Vorjahres die Personalkosten, während sich die Inflation insgesamt abschwächt, droht erneut eine Begrenzung über den niedrigeren Parameterwert – selbst dann, wenn sich die Einnahmesituation der gesetzlichen Krankenkassen verbessert hat.

Egal, wie sich die Wirtschaft entwickelt: Heilmittelerbringer ziehen bei dieser Berechnungslogik immer den Kürzeren. Therapeutische Praxen würden damit dauerhaft von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Die Kumulation führt faktisch dazu, dass notwendige wirtschaftliche Entwicklungen im Heilmittelbereich kaum noch abgebildet werden können.

Die geplanten Kürzungen werden eine dauerhafte Unterfinanzierung auslösen, da die Maßnahmen nicht nur temporär wirken, sondern die Vergütung dauerhaft auf einem zu niedrigen Niveau festhalten. Zusätzlich wird ein Zinseszinseffekt greifen, da die kommenden Anhebungen auf einem zu niedrigen Niveau aufsetzen.

Während die Anforderungen an die Praxen kontinuierlich steigen, sollen gleichzeitig die wirtschaftlichen Grundlagen noch weiter eingeschränkt werden. Eine stabile ambulante Heilmittelversorgung kann aber nur mit wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen gewährleistet werden.

Die geplanten gesetzlichen Regelungen verkennen die hochproblematischen Auswirkungen von Vergütungsstagnation: eine Verschärfung des Fachkräftemangels und sinkende Behandlungskapazitäten. Zudem werden durch die daraus resultierenden Versorgungseinbrüche Mehrkosten an anderen Stellen entstehen, denn Therapien im Heilmittelbereich verhindern häufig teurere Behandlungen.

Der SHV fordert das Bundesministerium für Gesundheit und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages daher auf, die für den Heilmittelbereich geplanten Sparmaßnahmen zurückzunehmen.