Archiv der Kategorie: Mitteilungen

Berlin, 7. Juli 2026 – Beim politisch hochrangig besetzten Spitzengespräch „Bürokratieabbau“ im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) die Perspektive der Heilmittelerbringer eingebracht.

Neben Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nahmen weitere Vertreter*innen des BMG und wichtige Akteure des Gesundheitssystems wie die Bundesärztekammer und die Deutsche Krankenhausgesellschaft teil. Für den SHV waren Manuela Pintarelli-Rauschenbach und Ute Repschläger aus dem SHV-Vorstand vor Ort.

Im Fokus standen praxisnahe Schritte zur Verordnungsvereinfachung, die Reduktion unnötiger Absetzungen sowie die Entlastung der Praxen von administrativem Aufwand. Grundlage des SHV-Beitrags war ein vorab übermitteltes Positionspapier mit konkreten, kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen aus der Versorgungspraxis.

Zentrale SHV-Punkte

Wie tief die bürokratischen Hürden im Alltag der Praxen verankert sind, untermauert das aktuelle Papier anhand von drei zentralen Problemfeldern. Um eine echte und spürbare Verordnungsvereinfachung zu erreichen, fordert der SHV konkrete gesetzliche Anpassungen:

  • Formfehler entschärfen: Ein gesetzlich verankerter Katalog unschädlicher Formfehler – analog zur Apothekenregelung – soll verhindern, dass medizinisch korrekt erbrachte Leistungen wegen kleinster Formalien retaxiert werden.
  • Korrekturen erleichtern: Rein formale Verordnungsfehler sollen Heilmittelerbringer eigenständig korrigieren dürfen (wie erfolgreich in der Pandemie erprobt), um Rückfragen und Bürokratie auf allen Seiten zu vermeiden.
  • Software praxistauglich machen: Die Heilmittelverbände sollen verbindlich in die Entwicklung der Verordnungssoftware eingebunden werden, damit typische Fehlerquellen bereits technisch unterbunden werden.

Erste Ergebnisse: Relevanz für den Heilmittelbereich bestätigt

Das vom BMG nach dem Termin veröffentlichte Maßnahmenpapier Schwerpunktmaßnahmen als Ergebnis des Spitzengesprächs Bürokratieabbau greift eine für die Heilmittelversorgung zentrale Forderung auf: Unter der Überschrift „Abschaffung Nullretaxation bei reinen Formfehlern im Heilmittelbereich“ wird ein klarer Rechtsrahmen angekündigt, der Rechnungskürzungen der Kassen bei rein formalen Fehlern ausschließt. Ziel ist es, den Korrekturbedarf nachhaltig zu senken und Bürokratie zu reduzieren.

Ein Großteil der Bürokratie entsteht nicht in der Behandlung selbst, sondern durch formale Anforderungen bei Verordnung und Abrechnung. Entscheidend ist, Fehler von vornherein zu vermeiden, statt sie im Nachhinein mit großem Aufwand zu korrigieren. Mit einem Katalog unschädlicher Formfehler, der Möglichkeit zur eigenständigen Korrektur und praxistauglicher Verordnungssoftware schaffen wir Entlastung – ohne Abstriche bei Qualität und notwendigen Kontrollen“, kommentiert Manuela Pintarelli-Rauschenbach die dringende Notwendigkeit der angekündigten Anpassung.

Ausblick: Den Worten müssen Taten folgen

Der SHV begrüßt die im Maßnahmenpapier skizzierte Richtung als wichtigen Schritt und dringt auf eine zügige gesetzliche Umsetzung – insbesondere der Regelungen zu unschädlichen Formfehlern und zu praxistauglichen digitalen Verfahren. Darüber hinaus setzt sich der Verband für zusätzliche Entlastungen ein, etwa für klare, kürzere Absetzungsfristen und eine verbindliche Einbindung der Heilmittelverbände in die Weiterentwicklung der Verordnungssoftware. Das Ziel bleibt klar: Bürokratie abbauen, ohne die Versorgungsqualität zu gefährden – für mehr Zeit am Patienten.

Auf Vermittlung des SPD-Landtagsabgeordneten Marcus Bosse fand am Rande der zurückliegenden Plenarsitzung ein Gespräch zwischen Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, und Vertretern vom Verband für Physiotherapie (VPT)  statt.

Jens Mahrenholz, Landesgruppenvorsitzender VPT Nord-West, betreibt seit über zwanzig Jahren zwei Praxen für Massage und Krankengymnastik in Schöppenstedt und Kissenbrück. Gemeinsam mit VPT-Landesgeschäftsführer Christian Schneider nutzte er die Gelegenheit, im direkten Gespräch mit politischen Entscheidern die Herausforderungen darzustellen, mit denen sich die physiotherapeutische Behandlung konfrontiert sieht. Konkret ging es um Probleme wie den sich verschärfenden Fachkräftemangel sowie die vorgesehene Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung, die ab 2027 in Kraft treten soll. Letztere gehört zum Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz der gesetzlichen Krankenkassen und sieht im Einzelnen vor, dass die Vergütungen für Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten prozentual nur noch maximal so stark steigen dürfen wie die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Der SHV lehnt diese Rückkehr entschieden ab, da sie bestehende strukturelle Probleme nicht löst, sondern mancherorts noch verschärfen könnte.

Philippi betonte die Bedeutung der physiotherapeutischen Behandlungen für die Menschen im Land und sicherte für die Zukunft seine weitere Unterstützung zu: „Physiotherapie hat für mich als Arzt einen hohen Stellenwert, weil sie den Körper wieder „funktionstüchtig” macht und Schmerzen lindern kann. Physiotherapie wird in der Prävention, der Reha und der Schmerztherapie immer wichtiger. Der Bund sollte deswegen Regelungen auf den Weg bringen, die es ermöglichen die bisherigen Leistungen beizubehalten.

Bosse: „Die Praxen von Jens Mahrenholz sind nicht nur in der Samtgemeinde Elm-Asse bestens bekannt und geschätzt. Trotz angespannter Kassenlage besteht der Anspruch, das breit gefächerte Leistungsspektrum zu erhalten und nachhaltig weiterzuentwickeln.”

Das Gespräch ist Teil der SHV‑Kampagne anlässlich des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Bundesweit suchen die SHV Mitgliedsverbände vor Ort das konstruktive Gespräch mit der Politik, um eine wohnortnahe, zukunftssichere Versorgung zu stärken.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für das zielführende Gespräch und den gemeinsamen Einsatz für eine starke Heilmittelversorgung.

v.l.n.r. Marcus Bosse (Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages) I Jens Mahrenholz (VPT) I Dr. Andreas Philippi (Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung) I Christian Schneider (VPT)

In ihrem Wahlkreis in der Ortenau (Baden-Württemberg) hatte die Logopädin Jenny Stippig die Gelegenheit, sich mit Johannes Rothenberger (MdB/CDU) in seinem Wahlkreisbüro zu den aktuellen Plänen im geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auszutauschen. In dem 45-minütigen Gespräch konnte sie bei ihm die wichtigsten Anliegen aus ihrem Praxisalltag, die aktuelle Versorgungssituation und die bestehenden Herausforderungen ansprechen.

Rothenberger hat die Versorgungslage sowie die von ihr geschilderten Probleme sehr gut nachvollziehen können. Er äußerte jedoch auch, dass es politisch sehr schwierig sein werde, die geplanten Spaßmaßnahmen nicht umzusetzen, da das finanzielle Loch einfach zu groß sei. Dennoch möchte er versuchen, sich in diesem Bereich einzubringen und die von Stippig angesprochenen Anliegen weiterzutragen.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e.V. ruft die Bundestagsabgeordneten eindringlich dazu auf, dem Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz) in der vorliegenden Fassung bei der 2./3. Lesung im Bundestag am 10. Juli 2026 nicht zuzustimmen.

Der Gesetzentwurf sieht Einschnitte vor, die die ambulante Heilmittelversorgung schwächen werden. Der SHV hat in den vergangenen Wochen wiederholt vor den Auswirkungen der geplanten Regelungen für den Heilmittelbereich gewarnt. Trotz zahlreicher Gespräche mit Abgeordneten und der deutlichen Kritik aus der Heilmittelbranche wurden die zentralen Forderungen des SHV in der überarbeiteten Gesetzesfassung nicht berücksichtigt. Insbesondere die geplante Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung und der zusätzliche Abschlag von einem Prozentpunkt über einen Zeitraum von drei Jahren bleiben bestehen.

Die vorgesehenen Regelungen führen Heilmittelerbringer wieder zurück in eine Phase struktureller Unterfinanzierung, die bereits in der Vergangenheit erhebliche Versorgungsprobleme verursacht und zum Fachkräftemangel in allen Heilmittelbereichen geführt hat.

Die Politik setzt damit aus Sicht des SHV die falschen Prioritäten: Anstatt die Attraktivität der Therapieberufe zu steigern und damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken sowie die wohnortnahe Versorgung zu sichern, werden die wirtschaftlichen Grundlagen tausender Praxen geschwächt. Eine Unterversorgung mit therapeutischen Leistungen ist damit vorprogrammiert.

Die Folgen werden mittelfristig die Patientinnen und Patienten zu spüren bekommen.

Im Rahmen seiner Kampagne zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat der Spitzenverband der Heilmittelverbände e.V. (SHV) das Gespräch mit Linus Görg, gesundheitspolitischem Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, gesucht.

Für den SHV erläuterte Christian Schneider, Landesgeschäftsführer VPT Nord-West, die zentralen Kritikpunkte und den aus Sicht der Heilmittelbranche notwendigen Korrekturbedarf am Gesetzentwurf. Im Mittelpunkt standen einmal mehr die vorgesehenen Maßnahmen im Heilmittelbereich – darunter die Vergütungskürzung durch die Bindung an die Grundlohnsumme mit Sonderabschlag, die Abschaffung der Blankoverordnungspauschale sowie die Erhöhung der Zuzahlung. Aus Sicht des SHV treffen diese Regelungen ausgerechnet einen Versorgungsbereich, der bereits heute unter erheblichem Fachkräftemangel, wirtschaftlichem Druck und eingeschränkten Versorgungskapazitäten leidet.

Linus Görg würdigte im Gespräch die sachorientierte und fundierte Positionierung des SHV und stellte fest: „Auch wenn der finanzielle Druck im System hoch ist: Wer an der Physiotherapie spart, spart an der falschen Stelle. Physiotherapeut*innen verhindern Folgeschäden, unterstützen die Rehabilitation und vermeiden Krankenhausaufenthalte und Pflegebedürftigkeit. Doch der Referentenentwurf zur GKV-Stabilisierung droht genau das zu gefährden: Die geplante Grundlohnsummenbindung entkoppelt die Vergütung von den realen Kosten der Praxen, und die Einschränkungen bei der Blankoverordnung bedeuten mehr Verantwortung ohne ausreichende Refinanzierung. Kurzfristige Einsparungen führen hier langfristig zu höheren Folgekosten. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz muss an dieser Stelle dringend nachgebessert werden.

Im Gespräch äußerte Görg Kritik an der Unausgewogenheit des Gesetzentwurfs. Insbesondere bemängelte er die fehlenden Ausgleichsmechanismen im ambulanten Bereich, das Ausbleiben echter Strukturreformen sowie die weiterhin unzureichende Lösung betreffend der versicherungsfremden Leistungen. Zudem äußerte er die Bereitschaft, die vom SHV vorgetragenen Positionen bei den weiteren Beratungen auf Landes- und Bundesebene zu berücksichtigen. Auch der Sachstand im Beratungsverfahren der Bundesländer sowie die Positionierung Hamburgs sollen, soweit möglich, weiter eruiert werden.

Mit den politischen Gesprächen auf Landesebene setzt der SHV seine Kampagne fort, um auf die gravierenden Folgen des Gesetzentwurfs für die Heilmittelversorgung aufmerksam zu machen und notwendige Korrekturen einzufordern.

Die SHV-Mitgliedsverbände suchen weiterhin intensiv den politischen Dialog zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG). Per Videokonferenz traf sich Christian Schneider (Landesgeschäftsführer VPT Nord-West) stellvertretend für alle Heilmittelerbringer mit dem Arbeitskreis Gesundheit der CDU-Landtagsfraktion.

Der SHV positionierte sich unmissverständlich und erteilte vor allem der Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung (GLS) eine klare Absage. Neben der erneuten GLS-Anbindung plant der Bund einen zusätzlichen Vergütungsabschlag von einem Prozent in den Jahren 2027-2029. Durch die Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung mit dem Sonderabschlag wird eine wirtschatliche Praxisführung erschwert.

Der intensive und sehr konstruktive Austausch hat gezeigt, dass die Landespolitik die Brisanz unserer Lage genau versteht. Wir stoßen mit unseren Argumenten auf offene Ohren und spüren echten Rückhalt für die Belange der Praxisinhaber“, resümiert Christian Schneider den Termin.

Zuvor machten die Vertreter der Heilmittelerbringer deutlich, welche fatalen Folgen drohen: Die GLS-Bindung hat über Jahrzehnte zu struktureller Unterfinanzierung geführt und den Fachkräftemangel massiv verschärft – ein Negativtrend, der erst durch politische Nachbesserungen (HHVG, TSVG) mühsam gestoppt wurde. Restriktive Maßnahmen, wie auch die Streichung der Blanko-Pauschale, drehen dieses Rad nun zurück.

Die Rechnung dafür zahlen nicht nur die Praxen. Wer Versorgungslücken bei Heilmitteln riskiert, treibt unweigerlich die Folgekosten in Notaufnahmen, Facharztpraxen, in der Pflege oder durch Frühberentungen in die Höhe. In der Finanzwirkungsrechnung der Politik tauchen diese Kostenfallen jedoch nicht auf.

Die Argumente überzeugten: Eike Holsten, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sicherte zu, die Kritik und die zentralen Forderungen des SHV auf Bundesebene zu platzieren.

Der SHV bedankt sich bei Eike Holsten und dem Arbeitskreis für das zielführende Gespräch und den gemeinsamen Einsatz für eine starke Heilmittelversorgung.

Christian Schneider, Landesgeschäftsführer VPT Nord-West, traf Rainer Bensch – gesundheitspolitischer Sprecher der CDU in der Bremischen Bürgerschaft.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände e. V. (SHV) bewertet den Entwurf für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz als erheblichen Rückschritt für die ambulante Heilmittelversorgung. Um auf die Folgen und notwendige Korrekturen aufmerksam zu machen, führen SHV und Mitgliedsverbände derzeit zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern – auch auf Landesebene.

Im persönlichen Austausch in der Bremischen Bürgerschaft skizzierte Schneider die zentralen Kritikpunkte des SHV. Im Fokus: die Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung. „Sie ist das falsche Instrument, weil sie in der Vergangenheit systematische Unterfinanzierung produziert hat.“ Verschärfend wirkt die geplante Kürzung der Grundlohnsummen-Rate um ein weiteres Prozent in den Jahren 2027 bis 2029 – mit basiswirksamen Negativauswirkungen für die Folgejahre. Statt Kürzungen brauche es eine Stärkung der Heilmittelbranche, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Patientenversorgung zu sichern. Die realen Praxiskosten müssten refinanziert werden – ohne pauschale Deckelung.

Rainer Bensch positionierte sich deutlich. Was Bensch am Beispiel der Physiotherapie ausführt, gilt gleichermaßen für alle Heilmittelerbringer

Wer Gesundheitsversorgung sichern will, darf ambulante Leistungserbringer nicht permanent ausbremsen. Die ambulante Physiotherapie übernimmt immer mehr Verantwortung – und dies bei Fachkräftemangel, steigender Bürokratie und wachsendem Versorgungsdruck. Gleichzeitig erleben viele Praxen Reformen nicht als Stärkung, sondern als zusätzliche Belastung. Gerade beim GKV-Beitragsstabilitätsgesetz stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie sollen Leistungserbringer Versorgung sichern, wenn die politischen Rahmenbedingungen die strukturellen und wirtschaftlichen Unsicherheiten verstärken? Unser gemeinsamer Anspruch muss sein: Die Reformen so umsetzen, dass die Praxen handlungsfähig bleiben – und nicht durch neue Hürden geschwächt werden.“

Benschs klares Fazit: „Eine gute Gesundheitsversorgung erreichen wir nicht durch Misstrauen und ungerechte Kürzungen bei den Leistungserbringern, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen.“

Der SHV bedankt sich bei Rainer Bensch für die Einladung in die Bremische Bürgerschaft und den intensiven Austausch zur Heilmittelversorgung.

Die ursprünglich für den 26. Juni vorgesehene 2./3. Lesung zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Deutschen Bundestag wurde verschoben. Für den Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) ist diese Verschiebung ein wichtiges Signal: Die Kritik aus der Heilmittelbranche ist angekommen, der politische Gesprächsbedarf bleibt hoch.

Der SHV und seine Mitgliedsverbände haben in den vergangenen Wochen intensiv auf die Risiken des Gesetzentwurfs hingewiesen. In Stellungnahmen, Gesprächen mit Abgeordneten, direkten Kontakten in den Wahlkreisen sowie im Austausch mit politischen Entscheidungsträgern wurde deutlich gemacht, welche Folgen die geplanten Regelungen für die Heilmittelversorgung haben können.

Im Mittelpunkt der Kritik stehen insbesondere die vorgesehenen Begrenzungen bei der Vergütungsentwicklung. Aus Sicht des SHV gefährden diese die wirtschaftliche Stabilität der Praxen, erschweren die Fachkräftesicherung und setzen die Versorgung der Patientinnen und Patienten zusätzlich unter Druck. Eine hochwertige, wohnortnahe Heilmittelversorgung braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine Vergütung, die steigende Kosten und tatsächliche Versorgungsbedarfe angemessen berücksichtigt.

Die Verschiebung der Lesung bedeutet daher keinen Stillstand. Im Gegenteil: Der SHV nutzt die zusätzliche Zeit, um weiter das Gespräch mit der Politik zu suchen, fachliche Argumente einzubringen und auf notwendige Nachbesserungen am Gesetzentwurf hinzuwirken. Ziel ist es, die berechtigten Anliegen der Heilmittelbranche im weiteren Gesetzgebungsverfahren angemessen zu berücksichtigen und problematische Regelungen zu korrigieren.

Der SHV wird sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Heilmittelversorgung in Deutschland zukunftssicher, leistungsfähig und patientennah gestaltet wird.

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause hat die Bundestagsfraktion der Grünen Vetrtreter*innen aus Politik, Kultur, Verbänden und der Zivilgesellschaft zum beliebten Sommerempfang geladen.

Für den SHV standen Manuela Pintarelli-Rauschenbach (SHV-Vorsitzende) und Corina Glorius (SHV-Politikbeauftragte) auf der Gästeliste, die den bunten Abend nutzten, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen, Kontakte in die Politik zu intensivieren und neue zu knüpfen – zwanglos, da ohne strenge Agenda und Vorgaben, wie bei offiziellen Formaten sonst üblich.

Begrüßt wurden die Gäste, die zahlreich im Zentrum für Kunst und Urbanistik erschienen waren, von den Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann. Lange Reden? Gab es nicht, denn beim Sommerempfang steht der informelle Austausch aller mit allen im Vordergrund.

Mit der Abgeordneten Simone Fischer konnten wir uns zum dicht getakteten gesundheitspolitischen Fahrplan der kommenden Monate austauschen. Interessante Begegnungen gab es auch mit weiteren Bundestagsmitgliedern, wie Ricarda Lang und Omid Nouripour sowie mit Robert Habeck. Im Gespräch mit BÄK-Präsident Klaus Reinhardt ging es vor allem um fachliche Themen, insbesondere um die Primärversorgung“, freut sich Corina Glorius über die Bilanz des Abends.

Fazit: Ein dichtes Haus, konstruktive Gespräche und neue Anknüpfungspunkte – der SHV bleibt nah an der Politik, auch über die Grenzen des Gesundheitssystems hinaus.

 

Mitte Juni begrüßte IFK-Mitglied Ruud Stefelmanns den Bundestagsabgeordneten für den Kreis Viersen, Dr. Martin Plum (CDU) zu einem intensiven und offenen Austausch in seiner Praxis. Im Gespräch über das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz brachte Stefelmanns seine Sorge über die Auswirkungen auf die Physiotherapie und die Gesundheitsversorgung insgesamt zum Ausdruck. Frei nach dem Gedanken von Taiichi Ohno, einem der Väter des Toyota-Produktionssystems, „Kosten senkt man nicht durch Sparmaßnahmen, sondern indem man Verschwendung eliminiert.” wurde diskutiert, wie das deutsche Gesundheitswese zukunftsfähig werden kann.

Im Gespräch wurde eine Reihe an wichtigen Themen angeschnitten. Ein zentrales Thema war der zunehmende Fachkräftemangel und die Frage, welche Folgen dieser für die zukünftige Versorgung der Patienten haben wird. Auch die Akademisierung der Heilmittelerbringer wurde angesprochen. Dabei betont Stefelmanns, dass eine wissenschaftliche Qualifikation kein Gegensatz zur praktischen Arbeit sei. Vielmehr sei Akademisierung eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Berufsstandes.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der hohe Verwaltungsaufwand, mit dem Heilmittelerbringer täglich konfrontiert sind. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, warum gegen Heilmittelerbringer ein Generalverdacht in Bezug auf die Abrechnung der erbrachten Leistungen bestehe, währen andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen deutlich weniger bürokratische Hürden überwinden müssten.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde die zunehmende Belastung des Berufsstands thematisiert. Physiotherapie würde oftmals nur als Kostenfaktor betrachtet. Tatsächlich handelt es sich bei den Leistungen jedoch um eine Investition in Gesundheit und Lebensqualität. Damit qualifizierte Fachkräfte diese Aufgaben übernehmen können, sind Bürokratieabbau und die Erweiterung der therapeutischen Entscheidungskompetenzen maßgebend.

Bildhaft stellte Stefelmanns dar, dass Physiotherapie keine Tablette sei, die man automatisiert produzieren, importieren oder lagern kann. Physiotherapie ersteht ausschließlich durch die Arbeit von Menschen für Menschen. Jede Investition in die ambulante Physiotherapie investiert wird, stärkt nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern sichert Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.

Im Gespräch schlussfolgerte Stefelmanns, dass die Physiotherapie bereit ist, Verantwortung für die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu übernehmen. Dafür braucht sie jedoch die richtigen Rahmenbedingungen und eine politische Perspektive, die Entwicklung ermöglicht, statt Stillstand zu verwalten.

Dr. Martin Plum nahm sich für das Gespräch viel Zeit, hörte zu, fragte nach und konnte so die Herausforderungen der Heilmittelerbringer aus erster Hand kennenlernen. „Ich hoffe, dass Dr. Plum die Anliegen und Impulse aus diesem Gespräch in die weiteren Diskussionen im Deutschen Bundestag mitnimmt“, so Stefelmanns. 

v. l.: Ruud Stefelmanns, Dr. Martin Plum