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Klare Botschaften von Lauterbach für alle Heilmittelerbringer: Vergütung absichern, Direktzugang und Akademisierung vorantreiben

„Wir wollen die bessere Vergütung weiter absichern und auf einen belastbaren Weg bringen. Wir wollen den Direktzugang ermöglichen. Und wir wollen die Teilakademisierung einführen, um eine eigene Evidenz zu ermöglichen.“ – Vor vollen Rängen positionierte sich Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach beim 4. TherapieGipfel des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) klar für bessere Bedingungen für die Heilmittelerbringer. „Es wird an allen Ecken und Enden gleichzeitig gearbeitet. Sie können sich darauf verlassen, dass wir auch an Sie denken“, richtete sich der Minister direkt an die gut 450 Teilnehmenden in Berlin und überzeugte im Folgenden mit einer gut informierten und fachlich fundierten Analyse der Situation in den Heilmittelberufen.

Er betonte den sehr engen Austausch seines Ministeriums mit dem Spitzenverband der Heilmittelverbände. Erst kürzlich gab es im Bereich der Physiotherapie ein erweitertes Konsultationsverfahren, bei dem auch der SHV nach seiner Einschätzung gefragt wurde. Das Ziel: Die bestmögliche Umsetzung der Akademisierung – zunächst in der Physiotherapie. Die Akademisierung der weiteren Heilmittelberufe wie Ergotherapie und Logopädie soll nun geprüft werden. In diesem Zusammenhang fand Lauterbach ebenfalls klare Worte und sprach sich deutlich für eine Teilakademisierung in den Berufen der Physiotherapie aus; wobei Teilakademisierung im Verständnis des Ministeriums in Übereinstimmung mit den Bundesländern bedeutet, dass die Ausbildung zum Physiotherapeuten vollständig akademisiert wird, die Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister jedoch fachschulisch bleibt.

Starke akademische Ausbildung unabdingbar

Ohne Akademisierung geht es nicht, stellte der Bundesgesundheitsminister unmissverständlich klar. „Versorgung soll evidenzbasiert und patientengerecht sein“, betonte Minister Lauterbach. Es brauche also Studien. Denn ohne Studien und Forschung gebe es keine Evidenz. Wissenschaft – und somit eine hochschulische Ausbildung – sei die Basis für Evidenz. „Wir brauchen eine starke akademische Ausbildung“, fasste Prof. Lauterbach zusammen.

Modellprojekte zum Direktzugang kommen

Auch beim Direktzugang ziehen Bundesgesundheitsministerium und SHV an einem Strang. Die Vorbereitungen für eine Gesetzesänderung und damit die Einführung von Modellvorhaben zum Direktzugang sind weit gediehen, erklärt Minister Lauterbach. Auf Nachfrage bat Prof. Lauterbach jedoch um Verständnis: Er könne kein genaues Datum nennen, bis wann die Möglichkeit für Modellprojekte zum Direktzugang gesetzlich verankert sei. „Wir sprechen hier aber über Wochen und nicht über Monate“, machte er deutlich.

Vergütung noch nicht ausreichend

Mit Blick auf die Vergütung stellte er klar, dass durch die Umsetzung der Bundeshöchstpreise und die Möglichkeit, Verhandlungen bundesweit zu führen, erste Teilerfolge bereits greifen. Aber dieser dynamische Prozess müsse nun konsequent weitergehen. „Sie sind nicht aus Gewinnmaximierungsabsichten in diesen Beruf gegangen“, war ihm sehr bewusst. Voraussetzung für attraktive Heilmittelberufe seien aber angemessene Gehälter. Aus diesem Grund seien die Heilmittelerbringer bewusst aus dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz ausgeklammert worden, um die Vergütungserhöhungen der vergangenen Jahre nicht direkt wieder zu egalisieren.

Dank für den herausragenden Einsatz bei der Bewältigung der Coronapandemie

Besonders wichtig war es Lauterbach zudem, sich bei den anwesenden Therapierenden ausdrücklich zu bedanken. Ob Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie: „Für mich ist klar, welche Bedeutung die Heilmittelerbringer haben. Ich weiß, dass es ohne die Heilmittelerbringer in vielen Bereichen nicht funktionieren würde“, betonte Minister Lauterbach. „Ich möchte mich daher auch im Namen der gesamten Bundesregierung ganz herzlich für ihre Leistungen bedanken!“, unterstrich Prof. Lauterbach den Stellenwert der Heilmittelerbringer.

Bildunterschrift: Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (Mitte) beim 4. TherapieGipfel des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) mit Andreas Brandhorst, Referatsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, und den SHV-Vorstandsmitglieder Katrin Schubert (dbs), Ute Repschläger (IFK), Andreas Pfeiffer (DVE), Hans Ortmann (VPT) und Uwe Eisner (PHYSIO-Deutschland) (v. l.).

Köln, den 22.11.2022

Unter anderem um die Blankoverordnung ging es am 09. November 2022 in der öffentlichen Anhörung zum Krankenhauspflegeentlastungsgesetz (KHPflEG) im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. Andrea Rädlein vertrat den Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) dort als stellvertretende Vorsitzende

Auf Nachfrage von Erwin Rüddel MdB (CDU/CSU) verwies Andrea Rädlein auf die schriftliche Stellungnahme des SHV und bestätigte, dass die Änderungsanträge der Koalition in die richtige Richtung gehen, es bei drei Punkten Nachbesserungsbedarf gebe:

Zum einen sieht §125a Absatz 6 SGB V bei der Blankoverordnung eine Evaluation durch die Vertragspartner vor. Hierzu fordert der SHV, unter Entlastung der Berufsverbände die Finanzierung der Evaluation auf den GKV-Spitzenverband zu übertragen. Ganz wichtig: Das Gesetz sieht vor, dass GKV und SHV inhaltlich gemeinsam für die Evaluation verantwortlich sind, um deren Objektivität sicherzustellen. Hierbei muss es unabhängig von der Kostenlast auch bleiben.

Ein weiterer Punkt sind die zur Verfügung stehenden Behandlungsmengen im Rahmen der Blankoverordnung. Hier erinnerte Andrea Rädlein daran, dass es zwar statistisch ermittelte, also historische Ist-Daten gibt. Es fehlen derzeit aber belastbaren Daten, mit welchen Behandlungsmengen Patienten abhängig vom Grad der Schädigung unter therapeutischen Qualitätsgesichtspunkten behandelt werden sollten. Sie forderte deshalb, diese Regelung im Gesetz nachzuschärfen. Für den SHV steht fest: Die Blankoverordnung darf nicht mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit anhand der bisherigen durchschnittlichen Behandlungsmengen beurteilt werden; maßgeblich darf im Patienteninteresse nur sein, welche Anzahl an Behandlungseinheiten medizinisch-fachlich mit Blick auf den konkreten Einzelfall bzw. die Indikation begründet ist.

Schließlich begrüßte Andrea Rädlein, dass die historisch gewachsenen regionalen Sonderverträge zur Versorgung von Behinderten bzw. von Behinderung bedrohter Menschen in z. B. Einrichtungen der Eingliederungshilfe (neu: § 125 Absatz 7 SGB V) rechtlich abgesichert werden. Wichtig dabei ist aber für den SHV, dass diese Sonderverträge dieselben Voraussetzungen mit Blick auf die Behandlungsqualität und in Bezug auf die Ausstattung der Einrichtungen erfüllen, wie es die Verträge nach § 125 Abs. 1 SGB V für die ambulante Regelversorgung vorgeben. Wichtig auch: Diese Sonderverträge dürfen nicht zu einem Preisdumping führen, das letztlich zulasten der dort tätigen Therapeutinnen und Therapeuten ginge.

„Wir müssen abwarten, wie der Gesetzgeber unsere Vorschläge in den weiteren Beratungen aufgreift. Denn wir werden die Neuregelung dann unmittelbar in unsere Verhandlungen zur Blankoverordnung mit dem GKV-Spitzenverband einfließen lassen“, erklärte Andrea Rädlein unmittelbar nach der Anhörung.

Am 21. November 2022 findet im Historischen Hörsaal des Langenbeck Virchow Hauses Berlin der 4. TherapieGipfel des Spitzenverbands der Heilmittelverbände statt.

Zum Auftakt des Veranstaltungsprogramms wird Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach ein Eingangsstatement zur Situation der Heilmittelerbringer geben. Anschließend diskutieren die Vorstände der Mitgliedsverbände des SHV zum Thema Berufsattraktivität mit hochrangigen Gesundheitspolitikern. Die Bundestagsabgeordneten und heilmittelpolitischen Sprecherinnen Bettina Müller (SPD) und Nicole Westig (FDP) haben ihre Teilnahme bereits zugesagt, weitere Teilnehmer sind angefragt.

Interessierte können sich ab sofort für den TherapieGipfel kostenfrei anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Teilnahme ist nur mit Voranmeldung möglich. Die Veranstaltung dauert von 15 bis 18 Uhr.  

Programm:

15:00 Uhr Eröffnung  

 

15:10 Uhr Grußwort

  • Dr. Karl Lauterbach, MdB
    Bundesminister für Gesundheit

 

15:40 – 18:00 Uhr Podiumsdiskussion „Berufsattraktivität“

Diskutanten

  • Bettina Müller  

Bundestagsabgeordnete (SPD), Berichterstatterin für die Gesundheitsfachberufe

 

  • Nicole Westig

Pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion

 

  • Saskia Weishaupt (MdB), Bündnis 90/Die Grünen (angefragt)

Mitglied des Ausschusses für Gesundheit

 

  • Andreas Pfeiffer
    Vorsitzender SHV e.V.

Vorsitzender, Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE)

 

  • Hans Ortmann,
    Vorsitzender SHV e.V.

Bundesvorsitzender, Verband Physikalische Therapie (VPT) e.V.

 

  • Ute Repschläger
    Vorsitzende SHV e.V.

Vorsitzende, Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V.

 

  • Katrin Schubert

Stv. Vorsitzende SHV e.V.

Bundesvorsitzende, Deutscher Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs) e.V.

 

  • Uwe Eisner
    Vorsitzender, PHYSIO-DEUTSCHLAND

 

Moderation: Martin von Berswordt-Wallrabe

 

Zur Veranstaltungsanmeldung

 

Veranstaltungsort:

Langenbeck-Virchow-Haus

Luisenstraße 58/59

10117 Berlin (Mitte)

 

 

 

Die Bundesregierung plant eine Reform, um die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zu stabilisieren (GKV-Finanzstabilisierungsgesetz). Dazu wurde auch der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) als Sachverständiger eingeladen. Bereits im Vorfeld forderte der SHV anlässlich der Anhörung schriftlich einen Ausgleich für die inflationsbedingt stark steigenden Praxiskosten.

„Aus der drastischen Inflation gibt es für die Praxen bereits jetzt erhebliche Belastungen. Bereits die stark gestiegenen Energiekosten belasten die Heilmittelbetriebe überdurchschnittlich stark; dies gilt insbesondere bei den Fahrtkosten für Hausbesuche sowie dem erhöhten Energiebedarf in den Praxen: Anders als privaten Haushalten ist es Heilmittelpraxen nicht möglich, bei den Heizungskosten zu sparen, weil permanentes Lüften und damit die Zufuhr von Kaltluft zwingend zum Hygienekonzept in Abwehr von Corona-Infektionen gehört“, so der SHV.

Viele Praxen stehen aufgrund der stark gestiegenen Kosten schon jetzt wirtschaftlich schlecht dar. Denn die gesetzlichen Krankenkassen weigern sich seit Jahren, den Heilmittelerbringern eine angemessene Vergütung zuzugestehen. Dadurch konnten viele Praxen kaum Rücklagen bilden. Heilmittelerbringer benötigen daher dringend Unterstützung – und zwar zeitnah, nicht erst rückwirkend. Der SHV fordert eine Inflationsausgleichs-Pauschale, die ähnlich umgesetzt werden könnte wie zuletzt die Hygienepauschale. Dabei erhalten Heilmittelerbringer für jede Behandlung bzw. Verordnung einen Inflationsausgleich, berechnet nach dem durchschnittlichen Bruttoumsatz pro therapeutischer Behandlungseinheit und der prognostizierten Inflation.

Bei der Sachverständigen-Anhörung des Gesundheitsausschusses zum GKV-Finanzstabilisierungsgesetz kam zudem das Thema Direktzugang zur Sprache. Maria Klein-Schmeink, Bündnis 90/Die Grünen, erkundigte sich beim SHV, wie Modellprojekte zum Direktzugang für Heilmittelerbringer schnell umgesetzt werden könnten und welche Potenziale dieser Direktzugang für die Versorgung hätte.

Ute Repschläger, stellvertretende SHV-Vorsitzende, verdeutlichte während der Anhörung, welche positiven Effekte der Direktzugang zu Heilmittelerbringern für die Versorgungssicherheit in Deutschland haben kann. Um vorab alle Fragen zu klären, die zum Direktzugang derzeit noch bestehen, sollten Modellprojekte zum Direktzugang als wissenschaftliche Studie konzipiert sein, schlug Repschläger vor. Die wissenschaftliche Studie könne unter unabhängiger Begleitung einer Hochschule und in Zusammenarbeit mit einzelnen Krankenkassen und Verbänden der Heilmittelerbringer durchgeführt werden, so Repschläger. Dadurch würde ein Studiendesign mit hoher Qualität sichergestellt.

Die Annahme der Heilmittelerbringer sei es, dass der Direktzugang zum einen positive Effekte auf die Versorgungssicherheit in Deutschland habe, Stichwort ländliche Versorgung. Zum anderen geht Repschläger davon aus, dass der Direktzugang ein Baustein zur Kosteneffizienz für das GKV-System sein könne.

Diese Erwartung stützte die stellvertretende SHV-Vorsitzende auf eine Vielzahl von Studien: Eine amerikanische Studie habe beispielsweise belegt, dass durch den Direktzugang weniger bildgebende Verfahren und Medikamente benötigt werden. Studien aus England würden zeigen, dass Patienten schneller geholfen werde, wenn der Weg über den Arzt entfalle. Dadurch seien Patienten auch schneller wieder arbeitsfähig. Und oftmals seien zudem insgesamt weniger Behandlungen notwendig – bei gleichen oder teils sogar besseren Behandlungsergebnissen.

In Deutschland haben IFK und BIG direkt gesund zwischen 2011 und 2018 gemeinsam ein Modellvorhaben zu mehr Handlungsautonomie durchgeführt, in dem Physiotherapeuten selbst über die Art, Dauer und Frequenz der Behandlung entscheiden durften. Hier durften zwar noch nicht alle Aspekte des Direktzugangs erprobt werden, doch trotzdem fiel bereits auf, dass die Behandlungsdauer unter physiotherapeutischer Regie kürzer war als im herkömmlichen System. Ein Modellprojekt, das sich mit allen Facetten des Direktzugangs beschäftigt, könnte nun die letzten noch offenen Fragen wissenschaftlich beantworten.

Die Stellungnahme des SHV sowie eine Aufzeichnung der öffentlichen Anhörung zum GKV-Finanzstabilisierungsgesetz stehen online zur Verfügung.

Am 14. September 2022 fand in Berlin die Fachtagung Gesundheitskompetenz sowie die Sitzung der Allianz Gesundheitskompetenz statt. Für den SHV nahm Ute Repschläger, SHV-Vorstand und IFK-Vorstandsvorsitzende, teil.

Im Rahmen der Fachtagung wurde über das Thema Digitale Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung diskutiert. Ausgangspunkt war eine Studie der Universität Bielefeld. Zentrale Ergebnisse darin waren unter anderem, dass Gesundheitskompetenz – ähnlich wie in der Allgemeinbevölkerung – auch bei Personen mit Migrationshintergrund sozial ungleich verteilt ist. Zudem fällt es Personen mit Migrationshintergrund schwer, Informationen zu beurteilen und anzuwenden. Es zeigte sich überdies, dass geringe Gesundheitskompetenz konkrete Auswirkungen hat und Personen sich ungesünder verhalten. In der Folge muss auch das Gesundheitssystem mehr genutzt werden. Besonders schlecht ausgeprägt war bei den Studienteilnehmern mit Migrationshintergrund die digitale Gesundheitskompetenz. Große Schwierigkeiten bestehen in diesem Bereich unter anderem bei der Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit sowie der Neutralität digitaler Gesundheitsinformationen.

Die anschließende Sitzung der Allianz Gesundheitskompetenz bot den Teilnehmern die Möglichkeit, die ersten Ergebnisse der vom BMG geförderten Forschungsprojekte zur Förderung der Gesundheitskompetenz kennenzulernen und mögliche Synergieeffekte zu diskutieren. Die drei Themen „Gesundheitskompetenz vulnerabler Gruppen“, „Kommunikation in Gesundheitseinrichtungen“ und „Gesundheitskompetenz in Organisationen“ standen dabei im Fokus.

Die Allianz Gesundheitskompetenz ist eine Initiative des Bundesgesundheitsministeriums und hat sich zur Aufgabe gesetzt, Bürgerinnen und Bürger darin zu unterstützen, sich besser in den Strukturen des Gesundheitswesens zurecht zu finden sowie Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und für die eigene Gesundheitssituation nutzen zu können.

Partner der Allianz sind neben dem BMG, der Gesundheitsministerkonferenz der Länder und der Patientenbeauftragten bzw. dem Bevollmächtigten der Bundesregierung für Pflege 14 Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens, unter anderem der SHV.

vorne im Bild (v.r.n.l.): Ute Repschläger (SHV-Vorstand und IFK-Vorstandsvorsitzende), Zeynep Reichmuth (Fachreferentin Methodenbewertung Abteilung Medizin, GKV-Spitzenverband), Martina Huth (Referentin Dezernat 8 Public Health, Bundesärztekammer)

 

Die Heilmittelverbände verhandeln seit 2021 über fachliche und wirtschaftliche Aspekte im Rahmen der Umsetzung der Blankoverordnung. Der GKV-Spitzenverband und die therapeutischen Verbände ringen dabei insbesondere um die Kriterien einer wirtschaftlichen Leistungserbringung. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, über welche Anzahl an vorrangigen und ergänzenden Heilmitteln der Therapeut im Rahmen der Blankoverordnung frei entscheiden kann. Darüber hinaus wird auch über neue Bestandteile verhandelt, im Bereich der Physiotherapie beispielsweise über die (neue) Position Physiotherapeutische Diagnostik und den (neuen) Abschlussbericht an den behandelnden Arzt. Gerade die Fragen zur wirtschaftlichen Versorgung werden in Verhandlungen sehr kontrovers diskutiert und gehen nur sehr langsam voran, da bei den Krankenkassen die unbegründete Sorge besteht, dass die Ausgaben für Heilmittel weiter steigen.

Gesetzgeber streicht Frist und stärkt damit die Verhandlungen

Bereits Ende Juli 2022 hat die Koalition mit dem Entwurf des GKV-Finanzstabilisierungsgesetz (GKVFinStG) eine im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) geregelte Frist bis zum 30. September 2021 für den Abschluss der Verhandlungen zur Blankoverordnung zwischen den maßgeblichen Verbänden und dem GKV-Spitzenverband gestrichen.

Der Grund:Die Coronapandemie hat die Verhandlungen zu den neuen Rahmenverträgen in den einzelnen Heilmittelbereichen und über die neuen Vergütungslisten massiv in die Länge gezogen. Da der neue Bundesrahmenvertrag die Grundlage für die Verhandlungen zur Blankoverordnung ist, haben diese verspätet begonnen, im Bereich der Ergotherapie sogar erst nach Ablauf der vom Gesetzgeber ursprünglich angesetzten Frist zum Verhandlungsende. Im Bereich der Sprachtherapie/Logopädie haben die Verhandlungen auf Grund der laufenden Schieds- und Gerichtsverfahren noch gar nicht begonnen. Die ursprüngliche Frist zum 30. September 2021 war daher nicht zu halten und schwebte nach Ablauf im luftleeren Raum.

Die Entscheidung des Gesetzgebers zur Streichung der Frist begrüßt der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) ausdrücklich. Denn: Mit dem Streichen der Frist für den Abschluss der Verhandlungen zu den Blankoverordnungen in § 125a Sozialgesetzbuch V wird ausgeschlossen, dass die Schiedsstelle gezwungen wird, Entscheidungen zur Umsetzung der Blankoverordnung zu treffen, über die die Vertragsparteien noch nicht verhandeln konnten. Mit der Streichung der Frist entscheiden im ersten Schritt allein die Verhandlungsbeteiligten über das weitere Verfahren. Sobald eine der Parteien das Scheitern der Verhandlungen erklärt, ist der Weg zur Schiedsstelle grundsätzlich eröffnet.

Versorgung optimieren

Die Versorgung der Patienten soll durch mehr Gestaltungsspielraum der Therapeuten verbessert werden. Das war das Ziel des Gesetzgebers. Ein Ansatz dafür soll laut TSVG die Blankoverordnung sein. Mehr Autonomie in der Therapie ist eine zentrale Forderung des SHV und seiner Mitgliedsverbände.

Bei der Reform der Berufsgesetze im Heilmittelbereich beginnt das BMG mit den Berufen der Physiotherapie. Die vom BMG vorgelegten Überlegungen gelten ebenso für die Bereiche Ergotherapie und Logopädie/Sprachtherapie: Es wird beabsichtigt, die grundständige Ausbildung in den Heilmittelberufen zu akademisieren. Mit einer einzigen, völlig einvernehmlichen, weil berufsspezifischen Ausnahme: Die Ausbildung der Masseure und medizinischen Bademeister wird zwar auch modernisiert, verbleibt jedoch an Berufsfachschulen.

Nach dem Konsultationsverfahren zur Vorbereitung des Referentenentwurfs über die Berufe in der Physiotherapie im Jahr 2021 hat das zuständige Referat im Bundesministerium für Gesundheit nun eine ergänzende Befragung zu einem Konzeptentwurf über die zukünftige Ausgestaltung der Berufe in der Physiotherapie gestartet.

Die Physiotherapieverbände IFK, PHYSIO-DEUTSCHLAND und VPT werden mit Unterstützung des VLL (Verband der Leitenden Lehrkräfte) sowie des HVG (Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe) den Fragenkatalog gemeinsam im Fachausschuss Physiotherapie des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) bearbeiten und beim Bundesministerium für Gesundheit einreichen.

Hochschulische Ausbildung als Antwort für die Zukunft

Die Modernisierung der Ausbildungen hin zu einem Studium in der Physiotherapie ist die dringende und richtige Antwort auf die wachsenden Anforderungen bei der therapeutischen Versorgung der Patientinnen und Patienten. Voraussetzung für eine zukunftssichere und bedarfsorientierte Physiotherapie ist eine Novellierung der Berufsgesetze sowie eine Vereinbarung mit den Ländern über den Ausbau entsprechender Studienkapazitäten. Aus Sicht des SHV gilt das für die Therapieberufe der Ergotherapie und Logopädie in gleichem Maße.

Im Bereich der Logopädie/Sprachtherapie setzt sich der Arbeitskreis Berufsgesetz seit Jahren für eine zeitnahe primärqualifizierende hochschulische Ausbildung als Standard für alle im Bereich der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie Tätigen ein.

Das gemeinsame Ziel der Verbände ist klar: Sie fordern eine grundständige hochschulische Ausbildung mit hohem Praxisanteil für alle angehenden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten und sehen dafür eine Übergangsphase von zehn bis 15 Jahren. In diesem Zeitraumkönnen von den Bundesländern ausreichend Kapazitäten an den Hochschulen geschaffen werden. Einen Vorschlag für die Realisierung des erforderlichen Transformationsprozesses haben die drei Physiotherapieverbände IFK, PHYSIO-DEUTSCHLAND und VPT gemeinsam mit dem VLL und dem HVG im Ministerium bereits im Konsultationsverfahren im vergangenen Jahr eingereicht.  

Gemeinsam mehr erreichen

Die physiotherapeutischen Verbände und der DVE sind engagierte Mitglieder im Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen. Gemeinsam fordern sie eine nachhaltige und zukunftsfeste hochschulische Ausbildung für die Therapieberufe Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie und klären in Politik, den Berufsgruppen und der allgemeinen Öffentlichkeit kontinuierlich über die Vorteile und den Nutzen einer hochschulischen Ausbildung für die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf. Erst wenn es neue Berufsgesetze gibt und die Infrastruktur für die Umsetzung vorangebracht wird, ist die Zukunft der Therapieberufe gesichert, zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

Die Koalitionsverträge in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Schleswig-Holstein wurden veröffentlicht. Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) freut sich, dass für die Heilmittelerbringer wichtige Themen Berücksichtigung gefunden haben.

Ein Thema, für das sich der SHV schon lange einsetzt, ist die Akademisierung der Ausbildung der Heilmittelberufe. Besonders erfreulich ist daher, dass in NRW die Modellstudiengänge verstetigt werden: „Um den Anforderungen an eine moderne medizinische und pflegerische Versorgung, ihre Sicherstellung in der Fläche und dem dafür notwendigen Fachkräftemix gerecht werden zu können, wollen wir das Angebot zur primärqualifizierenden akademischen Ausbildung deutlich stärken, die Modellstudiengänge verstetigen und an den Hochschulen des Landes mehr Studienplätze für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie anbieten.“ NRW wird hier aber lediglich eine Brückenlösung vereinbaren, bis die Beratungen in Berlin abgeschlossen sind. Der SHV hofft, dass sich die Koalition nicht nur für eine Verstetigung einsetzt, sondern eine Vollakademisierung als Ziel sieht.

„Wir freuen uns, dass sich der Einsatz des SHV während der Verhandlungen derart niederschlägt und wir so, zumindest auf Landesebene, unseren Zielen ein Stück näherkommen“, sagt Andreas Pfeiffer, SHV-Vorsitzender.

Die neue Regierung in Schleswig-Holstein will schnellstmöglich einen „Pakt für die Gesundheits- und Pflegeberufe“ auf den Weg bringen. Dort sollen „die Bedingungen im Bereich Ausbildung, Studium und die Kapazitäten weiter verbessert und an den Bedarf angepasst werden“. 

Ab dem 01. Juli 2022 ist der Deutsche Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs) Mitglied im Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV). Damit besteht der SHV nun aus fünf Mitgliedsverbänden aus den Bereichen Ergotherapie, Physiotherapie und neu der Sprachtherapie und Logopädie.

Im Deutschen Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs) sind akademisch ausgebildete Sprachtherapeuten sowie Logopäden organisiert. Dem Antrag des dbs auf Mitgliedschaft im SHV hat die außerordentliche Delegiertenversammlung des Spitzenverbands am 22. Juni 2022 einstimmig zugestimmt. Damit ist der Beitritt ab dem 01. Juli 2022 wirksam.

Mit dem Beitritt setzt der SHV ein wichtiges Zeichen in Richtung Politik und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen. Denn: Der SHV vertritt als Spitzenorganisation nach § 125 SGB V die berufspolitischen Interessen der Heilmittelerbringer auf Bundesebene und ist für die Belange der Heilmittelversorgung Ansprechpartner der Politik, der Ministerien sowie der Selbstverwaltungsorgane und der Medien. „Wir freuen uns, mit dem dbs nun einen Berufsverband aus dem Bereich Sprachtherapie und Logopädie im SHV zu haben,“ betont Andreas Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands der Heilmittelverbände. „Je mehr Heilmittelbereiche sich zusammentun, desto stärker ist unsere berufspolitische Stimme.“

„Heilmittel sind mehr denn je ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung“, sagt Katrin Schubert, Bundesvorsitzende des dbs. „Mit dem Beitritt in den SHV möchten auch wir dabei unterstützen, dass die Belange der Heilmittelerbringer stärker in den Fokus der Politik rücken und die Versorgung der Patienten langfristig gesichert wird.“ Insbesondere die Themen Direktzugang, Reform der Berufsgesetze und eine bessere Vertretung der Heilmittelbranche im G-BA sind dringende Anliegen des dbs.

Alle Informationen rund um den SHV und seine Mitgliedsverbände finden Interessierte unter https://www.shv-heilmittelverbaende.de/.

Willkommen zum Speed-Dating. Mit diesen Worten führte Moderator Christian Stadali sinngemäß und treffend in die Podiumsdiskussion ein, zu der sich die vier Vorstände der SHV-Mitgliedsverbände am zweiten Messetag der therapie Leipzig zusammengefunden hatten. Es folgten 45 Minuten, in denen die teilnehmenden Zuhörerinnen und Zuhörer Gelegenheit hatten, sich zu den großen berufspolitischen Themen zu äußern, die von den Referentinnen und Referenten kurz und kompakt dargelegt wurden. Fragen aus dem Plenum waren nicht nur zugelassen, sondern explizit erwünscht. Denn darum ging es schließlich: konkret und im Dialog mit den Berufsangehörigen die Forderungen zu erneuern, von deren Umsetzung nicht weniger als die Zukunft der therapeutischen Berufe abhängt.

Auf den Tisch kamen deshalb die großen Themen, die von den Sprechern der Verbände fundiert und nach Bereichen gegliedert referiert wurden: Von der Reform der Berufsgesetze (PHYSIO-DEUTSCHLAND) über die Digitalisierung (DVE), die Forderung nach interprofessioneller Zusammenarbeit und mehr Autonomie (VPT) bis hin zur Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen (IFK). Gekonnt spielten sich die Diskutanten die Bälle zu und demonstrierten Einigkeit in den Forderungen, die vor allem an die Politik und die gesetzlichen Krankenkassen gerichtet waren. So ließ Andrea Rädlein, Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Physiotherapie, gleich zu Beginn keinen Zweifel daran, dass die Reform der Berufsgesetze und damit die Akademisierung jetzt unbedingt Fahrt aufnehmen muss, sollen die therapeutischen Berufe die Patientenversorgung auch in Zukunft gewährleisten können. Akademisierung ist kein Selbstzweck, sondern unverzichtbar, um die Berufsbilder attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten. Aus diesem Grund beteiligen sich auch alle SHV-Mitgliedsverbände aktiv an der bundesweiten Kampagne des Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen. Das Ziel: Aufmerksamkeit schaffen für die Modernisierung der Berufsgesetze.

Dass der Bestandsschutz dabei von priorisierter Bedeutung ist und es keine Spaltung des Berufsbildes geben dürfe, betonte anschließend auch Hans Ortmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Physikalische Therapie (VPT), der eindeutige Worte fand, um mehr Autonomie und einen Abbau bürokratischer Hürden einzufordern, die nicht nur die interprofessionelle Zusammenarbeit massiv erschweren, sondern es den Berufsangehörigen nahezu unmöglich machen, das Gelernte im Praxisalltag angemessen anzuwenden – unabhängig davon, ob sie berufs- oder hochschulisch ausgebildet sind.   

Unterstützung kam von Andreas Pfeiffer, Vorsitzender des SHV und des Deutschen Verbandes Ergotherapie, der die weiterhin mangelhafte und nur schleppend vorankommende Digitalisierung im Gesundheitswesen in den Fokus rückte. Wenngleich mit der Einführung der Telematikinfrastruktur und der ebenfalls angekündigten elektronischen Heilmittelverordnung wichtige Wegmarken gesetzt sind, dürfen die Anstrengungen für eine Digitalisierung der Heilmittelberufe auf Höhe der Zeit nicht nachlassen. Nur so kann die interprofessionelle Zusammenarbeit, z. B. über den schnelleren Austausch von Patientendaten, erfolgreich ausgebaut und können überflüssige Regelungen und Überbürokratisierung zum Vorteil von Therapeutinnen und Therapeuten sowie Patientinnen und Patienten abgebaut werden.

Der Schlussbeitrag gehörte Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK ), die vor allem auf den häufig übersehenen, aber letztlich kaum zu überschätzenden Selbstschutz der Therapeutinnen und Therapeuten hinwies, der alle übrigen Forderungen beinhaltet. Schließlich sind es Rahmenbedingungen, wie eine angemessene Vergütung oder den wachsenden Anforderungen angepasste Leistungsbeschreibungen, die einen wirksamen Schutz gegen persönliche Überlastung bieten – der Grundvoraussetzung für eine erfüllte und erfolgreiche Berufsausübung auch und vor allem im Interesse der therapeutischen Versorgung. Im Hinblick auf mehr Autonomie, die letzendlich auch dazu führt, dass Therapeuten ihren Alltag selbstbestimmt und verantwortungsvoll organisieren, wies Repschläger auch auf die im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung angekündigten Modellprojekte zum Direktzugang hin, die der SHV ausdrücklich begrüßt.

Was also ist unsere Botschaft an die neue Koalition mit Karl Lauterbach an der Spitze des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)? Es ist ein Bündel von klaren und wohlbegründeten berufspolitischen Forderungen, die im Rahmen dieser Runde intensiv und unter reger Beteiligung des Plenums diskutiert und bestärkt wurden. Unbewegt hat den Sitzungssaal an diesem Nachmittag jedenfalls keiner der Anwesenden verlassen.  

 

Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) e.V.